Hoch über Höfen thront mit der Bergwelt Hahnenkamm DAS Vorzeige-Skigebiet und eines der vier absoluten Highlights der Naturparkregion Reutte. Der klassische Einheimische stürzt sich hier in der Regel bereits ab einem Alter von 3 Jahren die knapp 4 Kilometer lange Hauptabfahrt von der Bergstation der Höfener Alm Bahn durch das Kanonenrohr und über den Schüttler  hinunter bis ins Tal.

Da jedoch einige Pistenabschnitte speziell ungeübten Skifahrern Probleme bereiten können, werden zur optimalen Vorbereitung die ersten Schwünge meist an einem der Talskilifte der Region geübt.

Einige dieser Lifte sind leider aus verschiedenen Gründen über die Jahre von der winterlichen Landkarte der Naturparkregion Reutte verschwunden. So wurden beispielsweise der Sonnenlift in Wängle, der Langtennenlift in Lechaschau oder zuletzt auch der Sintenbichllift in Breitenwang geschlossen. Oft lagen die Gründe in unzureichender Schneesicherheit und der damit einhergehenden Unwirtschaftlichkeit.

Glücklicherweise gibt es aber noch vier facettenreiche Talskilifte, von denen jeder seine besonderen Eigenarten hat und von denen jeder mindestens einen Skitag wert ist!

Grund genug, heute mal einen genaueren Blick auf die Waldrast, den Schollenwiesenlift, den Schilift Konradshüttle und den Moosberglift zu werfen!

Die Wiege des alpinen Skilaufs in der 
Naturparkregion Reutte:

Der Waldrastlift in Ehenbichl

Zahlen, Daten, Fakten

Typ: Schlepplift 2-SL (Doppelmayr)
Eröffnet: 1951

Seehöhe Talstation: 856m
Seehhöhe Bergstation: 984m
Höhenunterschied: 128m
Pistenkilometer: 0,45

Einkehrmöglichkeit: –
Parken: Gratis
Adresse (Navi): Krankenhausstraße, 6600 Ehenbichl

Digitale Karte

Der Urvater aller Lifte in der Region ist – wer hätte es geahnt – der Waldrastlift (ehem. Schloßberglift)! Mit nur knapp 0,45 Pistenkilometern und einem Höhenunterschied von weniger als 130 Meter ist er der kleinste Lift der Region und zudem der einzige rechtsseitig des Lechs. Dennoch wurde schon im März 1951, also lange bevor die erste Gondel auf den Hahnenkamm fuhr, in der Waldrast „das Reuttener Skiparadies am Schloßberghang Wirklichkeit“, wie die Außerferner Nachrichten am 03. März 1951 berichteten:

„Die Frühjahrssonne blendet ab und zu goldenes Licht auf diesen Fleck verzauberter Winterlandschaft, wo nun zwischen Berg- und Talstation die Skifahrer mit angeschnallten Skiern durch die Lüfte segeln um sich dann im guten Schnee des Schlossberghanges zu verlieren oder plötzlich in rasender Schussfahrt neben dem netten Haus der Talstation aufzutauchen, damit sie erneut emporgetragen werden“, schreibt der merklich begeisterte Redakteur.

Aber Moment! „mit angeschnallten Skiern durch die Lüfte segeln“? „damit sie erneut emporgetragen werden“? Das klingt irgendwie nicht nach dem Schlepplift bei der Waldrast! Sollte etwa an den Gerüchten, dass hier einst ein Sessellift den Hang hinauf führte, etwas dran sein?

In der Tat – genau so war es! Was wie eine kühne Zukunftsvision gegenwärtiger Seilbahner klingt, wurde nämlich vor 70 Jahren bereits vom Dreiergespann Huter-Thummer-Sigl in die Tat umgesetzt. Die eigentlichen Pläne gingen aber weit darüber hinaus:

Wir denken daran den Lift im Laufe des Sommers bis auf den Schloßberg zu den alten Mauern zu verlängern, damit wird der Talkessel von Reutte einen neuen begehrten Anziehungspunkt erhalten“,

wird der Visionär Josef Thummer zitiert. Ein Vorhaben, das – wie wir heute wissen – am Ende nie umgesetzt wurde. Der Bau des Sesselliftes in der Waldrast kann aber wohl als Initialzündung für die Erschließung des Hahnenkamms betrachtet werden. Die Außerferner Nachrichten zeigten sich jedenfalls hoffnungsvoll:

„Jedenfalls ist mit diesem Sessellift der erste und entscheidende Schritt getan worden, so dass man Hoffnung haben kann, dass auch vielleicht die Hahnenkammbahn durch rührige Privatinitiative verwirklicht werden wird.“

Über die Jahre wechselte der Waldrastlift mehrfach den Besitzer und alle paar Jahre wieder gab es Diskussionen über den Weiterbestand. Auf das „Bangen um den Waldrastlift“ folgte aber immer wieder die Feier der „Auferstehung der Waldrast“.

Heute gehört der Lift zu 100% dem Tourismusverband Naturparkregion Reutte. Betrieben wird die 2-SL Anlage der Firma Doppelmayr von der Gemeinde Ehenbichl. In den letzten Jahren ist der Lift und das Gelände rund herum wahrlich aufgeblüht und entwickelt sich immer mehr zum Wintersportzentrum. Die Waldrast ist Ausgangspunkt vieler Langlaufloipen und Winterwanderwege und auch der Biathlon-Verein hat hier mit seiner Biathlonanlage inklusive einem beleuchteten Rundkurs eine Heimat gefunden.

Der sonnenverwöhnte Multifunktionsfamilienskilift:

Der Schollenwiesenlift in Höfen

Zahlen, Daten, Fakten

Typ: Schlepplift 2-SL & Kinderübungslift (Doppelmayr) + präparierte Rodelbahn
Förderleistung: 1000p/h
Eröffnet: 1967

Seehöhe Talstation: 875m
Seehhöhe Bergstation: 1.028m
Höhenunterschied: 153m
Pistenkilometer: 1,65

Einkehrmöglichkeit: Schollenstüberl
Parken: Gratis
Adresse (Navi): Schiliftweg 5, 6604 Höfen

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Der Schollenwiesenlift liegt am Fuße des Hahnenkammes und ist mit Sonnenreichtum gesegnet. Ja man könnte fast behaupten, dass sich der Schnee, die Sonne und die Skifahrer nirgendwo in der Region näherkommen als hier.

Im Jahr 1967 eröffnet, nutzen den „Scholli“ vor allem Anfänger und ungeübte Skifahrer, denn für diese bietet er nahezu ideale Voraussetzungen. Auch Kleinstkinder kommen hier auf Grund des Kinderübungsliftes voll auf ihre Kosten. Auf den knapp 1,6 Pistenkilometern können allerdings auch geübtere Skifahrer Spaß haben und überwinden dabei rund 150 Höhenmeter. Eine moderne Beschneiungsanlage im unteren Bereich sorgt sogar im Frühjahr für ausreichend Schneesicherheit.

Der Schollenwiesenlift wird zwar als Teil des Hahnenkamm Skigebietes gesehen, verfügt aber über keine direkt Pisten- oder Liftanbindung. Die Anlage ist vor einigen Jahren in das Eigentum der Gemeinde Höfen übergegangen – betrieben wird der Schollenwiesenlift vom Tourismusverband Naturparkregion Reutte.

Direkt neben der Piste befindet sich eine 300 m lange, präparierte Rodelbahn. Am Schollenwiesenlift ist also nicht nur für Ski-, sondern auch für Rodelspaß bestens gesorgt. Rodeln können im Schollenstüberl bei der Talstation ausgeliehen werden.

Das „Höhenskigebiet“ unter den Talskiliften:

Der Schilift Konradshüttle in Vils

Zahlen, Daten, Fakten

Typ: Schlepplift 2-SL (Doppelmayr)
Förderleistung: 1130p/h
Eröffnet: 1978

Seehöhe Talstation: 922m
Seehhöhe Bergstation: 1.102m
Höhenunterschied: 180m
Pistenkilometer: 1,75

Einkehrmöglichkeit: Konradshüttle
Parken: Gratis
Adresse (Navi): Gemeinde 74, 6682 Vils

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Im Gegensatz zum Schollenwiesenlift ist das Konradshüttle in Vils nicht gerade mit übermaßiger Sonneneinstrahlung gesegnet und liegt zumeist im Schatten. Neben der damit einhergehenden Schneesicherheit, weist der Lift zahlreiche weitere Besonderheiten auf und kann unter den Talskiliften in der Naturparkregion Reutte schon fast als „Höhenskigebiet“ bezeichnet werden…

Schon die Anfahrt war in der Vergangenheit oft ein eigenes Abenteuer. Bei starkem Neuschnee konnte diese oft nur mit durchdrehenden Reifen oder Schneeketten bewältigt werden. Der am Rücken des Vilser Kegels eingebettete Lift liegt deutlich höher als alle anderen (Bergstation auf über 1100 Meter), hat mit rund 840 Metern den längsten Schlepplift – welcher noch dazu um eine Zwirbelkurve führt – und verfügt mit ca. 1,75 über die meisten Pistenkilometer. Dazu eröffnen sich von der Bergstation erstklassige Panoramablicke auf Pinswang, Musau und den Säuling.

Begonnen hat alles ca. im Jahr 1978 mit einem selbstgebauten Traktorlift, welcher sich dann zum Schlepplift weiterentwickelt hat. Die heutige 2-SL Anlage wird von der Firma Schretter & Cie betrieben und befindet sich auch in deren Besitz.

Über die Jahre hat sich der Lift zu einem beliebten Treffpunkt für Familien mit Kindern, aber auch für geübte Fahrer, entwickelt. Der untere Teil der Pisten ist etwas flacher und somit ideal für Kleinkinder geeignet – der Abschnitt oberhalb der Liftkurve etwas steiler. Der Endgegner für ungeübte Skifahrer sind beim Konradshüttle sicher die „Kamelbuggel“ – hier heißt es entweder bremsen, drücken oder Ski aufsammeln.

Neben Familien und Hobby-Skifahrern sind es auch viele Ski-Clubs, die das Konradshüttle sowohl für Wettbewerbe als auch für Trainingseinheiten nutzen. Und dass das Training in Vils Früchte trägt, zeigt sich nicht zuletzt an den beiden Weltcupläufern Konrad Walk und Dietmar Köhlbichler.

Letzterer erreichte am 18. Jänner 1987 beim Weltcupslalom am Lauberhorn in Wengen sogar den zweiten Platz und zeigte dabei den Weltstars Alberto Tomba und Ingemar Stenmark klar ihre Grenzen auf. Dass sich Köhlbichler die für diesen unglaublichen Erfolg nötigen Slalom-Skills beim Training mit dem SC Vils am Konradshüttle angeeignet hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Rückblickend wäre es für Tomba und Stenmark sicher sinnvoll gewesen, ebenfalls die ein oder andere Trainingseinheit am Schilift Konradshüttle abzulegen… 😉

Der Sieger der Herzen:

Der Moosberglift in Weißenbach

Zahlen, Daten, Fakten

Typ: Schlepplift 2-SL (Doppelmayr)
Förderleistung: 1200p/h
Eröffnet: 1972

Seehöhe Talstation: 858m
Seehhöhe Bergstation: 1.050m
Höhenunterschied: 192m
Pistenkilometer: 0,62

Einkehrmöglichkeit: Schirmbar
Parken: Gratis
Adresse (Navi): Loach 16, 6671 Weißenbach

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Obwohl es sich in dieser Auflistung in keinster Weise um ein Ranking handelt und dieses auf Grund der unterschiedlichen Begebenheiten auch gar nicht möglich wäre – gibt es am Ende doch einen „Sieger der Herzen“. Und das hat einen einfachen Grund.

Der am Ortsrand von Weißenbach gelegene Moosberglift wurde 1972 aufgestellt und ist mit einer netten und abwechslungsreichen Piste gesegnet. Mit ca. 1200 Personen pro Stunde weist er die höchste Förderleistung und mit über 190 Metern den größten Höhenmeterunterschied aller genannten Tallifte in der Region auf. Zum Sieger der Herzen macht ihn aber ein anderer Fakt:

Nachdem die Anlage 2010 kurz vor dem Aus stand und abgerissen werden sollte, wurde noch in letzter Minute der „Verein zur Erhaltung Moosberglift Weißenbach“ gegründet. Neben mehreren Sponsoren und Förderungen durch die Gemeinde Weißenbach, welche den Weiterbetrieb finanziell sichern, ist es vorallem dem großen Engagement, dem Herzblut und den unzähligen ehrenamtlichen Gratisstunden des Vereins zu verdanken, dass der Lift über Wasser gehalten werden kann.

Für diesen großartigen und nicht selbstverständlichen Einsatz kann man nur Danke sagen!

Fazit

Es muss nicht immer das Mega-Skigebiet sein. Die kleinen Talskilifte, egal ob in Ehenbichl, Höfen, Vils, Weißenbach oder sonstwo in Tirol, sind ein wichtiger Faktor für das abwechslungsreiche Pistenangebot der jeweiligen Region und ideal um die ersten Schwünge im Skilauf zu machen. Außerdem stellen sie sowohl für die ortsansässige Jugend als auch für Urlaubsgäste einen sehr großen Mehrwert dar und sollten, wenn möglich, unbedingt erhalten werden.

Jeder der vier aktiven Tallifte in der Naturparkregion Reutte weist seine besonderen Eigenheiten in topographischer oder historischer Sicht auf und glänzt durch familienfreundliche Pistenkilometer. Jeder der Lifte eignet sich für einen perfekten Skitag mit der ganzen Familie. Und wirklich jeder der Lifte ist einen Skitag wert.

Also ab auf die zwei Bretter die die Welt bedeuten und Ski Heil!

Mehr Informationen zu den Liften und deren aktuellem Öffnungsstatus gibts im Freizeitbericht auf www.reutte.com, sowie in der digitalen Winterkarte der Naturparkregion Reutte.