Heute begleitet mich mein Mann zu einer Wanderung über den Schwärzerweg, er ist diese Tour noch nie gegangen. Wenn man mit dem Auto kommt, kann man gleich nach dem Pferdezentrum im Vils beim Klettersteig-Parkplatz parken. Wir spazieren auf dem ebenen asphaltierten Sträßchen bis zum Ländehof, das ist ein ehemaliges Gasthaus. Hier wird der Weg schmäler und ist geschottert. Wir gehen bis kurz vor die Staatsgrenze, dort stehen immer noch die alten Grenzübertrittsschilder. Die Beschränkungen, die darauf zu lesen sind, sind aber längst Geschichte. Selbstverständlich darf man in EU Zeiten Tag und Nacht über die Grenze gehen.

Spaziergang mit „halbalpinem Charakter“

Auf der linken Seite ist die gelbe Beschilderung zum Schwärzerweg zu sehen. Der Anstieg führt nun auf einem alpinen Steig, ist aber sehr angenehm zu bewältigen. Man hat einen schönen Ausblick auf den Lech. Der Schwärzerweg hat seinen Namen von den „Schwärzern“, so wurden früher bei uns die Schmuggler genannt. Mein 89 jähriger Nachbar ist ein Zeitzeuge und hat selber einiges miterlebt und mir darüber erzählt. Hochkonjunktur des Schmuggelns war zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg. Aber auch nach dem 2. Weltkrieg versuchten sich die Leute etwas dazu zu verdienen. Das interessiert jetzt meinen Mann, er hat ja früher beim Zoll gearbeitet und ich verrate ihm, dass von Österreich vorwiegend Schmalz, Schnaps, Rollentabak, Pfeifentabak und Kaffeebohnen nach Deutschland hinaus geschmuggelt wurden. Am Rückweg wurde Sacharin mit herein genommen, das war in Tirol sehr gefragt. Einmal seien die Schmuggler gewarnt worden, und waren darauf vorbereitet, dass sie die deutschen Zöllner festnehmen. In der Kanzleistube in Pfronten wurden sie aufgefordert die Rucksäcke zu leeren, die Beamten schauten schon überrascht, dass nur eine große Menge Ameisen darin zu finden waren.
Schon bald ist man oben und es geht auf der Bergkuppe ganz flach und etwas abwärts über die Grenze. Der Abstieg zum Mittersee im Faulenbachtal dauert nur 5 Minuten und ist über Holzstufen gut zu begehen.

Vom Tal der Sinne zur Ländenscharte nach Vils

Vom Tal der Sinne, so wird das Faulenbachtal genannt, wandern wir auf der linken Seite am Mittersee und Obersee entlang, bis die Abzweigung „Ländescharte“ nach Vils in Tirol auf der linken Seite zu sehen ist. Dort wird auf Alpine Gefahr hingewiesen. Die Strecke ist aber wieder mit Stufen und einem Stück Seilsicherung sehr gut zu bewältigen, gut zu Fuß und etwas trittsicher sollte man jedoch sein. Der Aufstieg ist nach 10 Minuten geschafft und oben angekommen ist das Gelände wieder ganz eben und schön zu gehen. Schon von weitem ist der alte Grenzstein sichtbar und wieder weisen alte Schilder auf die Bedingungen der Grenzüberschreitung hin, diese rufen in der heutigen Zeit sicher jedem ein Schmunzeln ins Gesicht.

Bevor der Abstieg beginnt, hat man einen schönen Blick auf die Vilser Berge. Es geht steil hinunter, schon bald ist der Ländehof wieder in Sicht. Als ich ein Kind war, kehrte meine Familie dort im Gasthof öfter ein und ich bekam eine Libella Limonade. Wer von euch kennt noch die Libella Limonade?
Wir schlendern den Ländeweg wieder vor bis zum Parkplatz am Klettersteig. Diese Runde ist in 1 ½ Stunden schön zu schaffen und ist eine Wanderung , die eher abseits des Touristenstroms führt – ein echter Geheimtipp eben!