Am 10.März 2019 ist es wieder soweit und in mehreren Gemeinden unter anderem in Musau, Pinswang und Weißenbach wird ein alter Brauch fortgeführt. Letztes Jahr durfte ich euch bereits in meinem ersten Blog ein wenig über den Barreigang in Musau erzählen und wie versprochen, gibt es nun von mir ein paar interessante Zeilen zu einem alten heidnischen Brauch, der bei uns weiterlebt und zwar das Hexverbrennen und Scheibenschlagen.

Traditionell findet diese –man kann schon fast Veranstaltung sagen – am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch statt. In Weißenbach erst eine Woche später. Mit dem Verbrennen der Hexe auf einem großen Scheiterhaufen sollen die bösen Wintergeister ausgetrieben werden. Dies hat aber nichts mit den mittelalterlichen Hexenverbrennungen zu tun.

Geschichtliche Fakten

Für diesen Brauch gibt es die sogenannte „Außerferner Ausnahme“. Die kirchliche Synode von Benevent hat 1091 beschlossen, dass während der Fastenzeit die Sonntage fastenfrei sind. Damit sich aber die Tage die für das Fasten damals vorgesehen waren immer noch ausgehen, wurde der erste Fastentag auf den heutigen Aschermittwoch vorverlegt. Aber wie überall, gibt es immer jemanden der sich an Beschlüsse nicht hält 😉. Denn obwohl an den Sonntagen Musik und Tanz verboten war, ließen es sich manche Außerferner am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch nicht nehmen es so richtig krachen zu lassen. Diese Tradition konnte auch nicht gebrochen werden und daher erhielten die Orte Pinswang, Musau, Weißenbach, Ehrwald und Jungholz Ausnahmegenehmigungen und pflegen ihr Brauchtum bis heute. (Quelle u.a. Wikipedia)

Da ich nun doch etwas mehr Einblick in die Traditionen von Musau in den letzen Jahren bekommen habe, möchte ich euch gerne etwas mehr über diesen Tag in Musau erzählen. Der schon längst bei der Bevölkerung und immer mehr auch bei den Gästen zu einer beliebten Veranstaltung und zu einem Erlebnis für Groß und Klein geworden ist. Ganz speziell der gesellige Teil, der alten Überlieferungen zufolge, genauso wichtig war und ist wie der Brauch selbst und macht diesen Abend natürlich immer wieder zu etwas ganz Besonderem.

Hexverbrennen

Die Vorbereitungen für den sogenannten „Funkensonntag“ starten bereits schon Wochen vorher. Es werden in der Gemeinde von den Bewohnern Holzvorräte für den Scheiterhaufen gesammelt und an den Scheibenplatz gebracht. In Musau gibt es zwei Plätze, diese sind am Fußballplatz und in Richtung Vils – Ranzental. Früher fand in Musau das Scheibenschlagen am Scheibenplatz am Bergle statt – einer kleinen Erhöhung oberhalb der Straße. Nach dem Bau der Umfahrung musste aus sicherheitstechnischen Gründen dieser Platz verlegt werden.

Für die Hexe setzen sich die erfahrenen Frauen zusammen und nähen aus alten Lumpen, Bettwäsche und Laken die Funkenhexe. Diese wird mit Stroh ausgestopft und bekommt in die rechte Hand noch eine alte Tasche oder einen Korb angenäht und in die Linke eine lange Wurst. Früher gingen die Buben am „Lumpigen Donnerstag“ von Haus zu Haus, um die „Lumpen“ für die Hexe zu sammeln. Die bunt gekleidete Funkenhexe wird dann noch auf einen langen Holzstamm gesteckt und baumelt so über dem Scheiterhaufen. Sobald es anfängt zu dämmern, wird der Scheiterhaufen in Brand gesetzt und die Kinder des Dorfes versammeln sich um die Hexe und beginnen gemeinsam zu schreien: Eva xur, d’Hex hat Durscht, will a lange, lange Wurscht!“, dieser Spruch wird solange aufgesagt bis die Hexe im Feuer ihre Wurst verliert.

Scheibenschlagen

Genauso wichtig wie das „Hexverbrennen“ ist natürlich auch das Scheibenschlagen oder Scheibenschießen. Väter und Großväter hacken und schneiden über den Winter dutzende Scheiben aus trockenem Holz. In Musau haben sich einige schon fast darauf spezialisiert, die Scheiben herzustellen. Diese werden auf lange Stangen gesteckt, am besten hierzu eignen sich gerade Haselnussstecken, die sich die Burschen gerne selber besorgen, denn schließlich geht es hier auch darum, welche Scheibe den weitesten Flug hinter sich legt. Im Funkenfeuer oder auch einem kleinen Lagerfeuer neben der Hexe werden die Scheiben angeglüht und über eine Ramp¬e schwungvoll in die Dunkelheit hinausgeschleudert, um die Ankunft des Frühlings zu begrüßen

Der Grund fürs Scheibenschlagen – ob in Musau, Pinswang oder Weißenbach – ist überall derselbe. Das Feuer, dem seit hunderten von Jahren große Kraft nachgesagt wird, soll die bösen Geister des Winters von den Feldern vertreiben und versinnbildlicht die Sehnsucht der Menschen nach Wärme.

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in diese seit hunderten von Jahren bestehende Tradition gewähren. Gerne gebe ich euch hier noch die Termine für den bevorstehenden Funkensonntag bekannt.