Wer derzeit die Burgenwelt Ehrenberg besucht sollte unbedingt auch Zeit für die Burgruine einplanen. Hier wird gleich an mehrere Stellen fleißig gegraben, aufgemauert und saniert. Die Mitarbeiter der 2020 vom Verein „Burgenwelt Ehrenberg“ gegründeten Bauhütte, die auf Ehrenberg tätig ist und dafür sorgt, dass das fachliche Wissen dauerhaft vor Ort bleibt, haben damit begonnen, die ersten Schwerpunkte eines auf fünf Jahre ausgelegten Sanierungskonzeptes umzusetzen. Dieses wurde von Arch. DI Armin Walch in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt erarbeitet und wird neben diesem auch vom Land Tirol, der Landesgedächtnisstiftung, der Marktgemeinde Reutte, dem Tourismusverband Naturparkregion Reutte und der highline179 gefördert. Die Gesamtkosten des Sanierungsprojektes betragen 1,2 Mio. Euro netto.

Begonnen wurde das ambitionierte Projekt mit den Arbeiten am kürzlich entdeckten Felsgang. Arch. DI Armin Walch und sein Team wollten ursprünglich ein Loch im brüchigen Fels unter der Wehrgangsmauer vor dem Dürnitz schließen, um diese zu stabilisieren. Die Sorge war, dass die gesamte Mauer und im schlimmsten Fall auch das Fundament des Südturms umstürzen würde. Daher sollte die desolate Mauer von unten mittels einer Stützmauer gesichert werden. Der Bagger begann mit den Arbeiten am Fundament der Stützmauer. Die Überraschung war perfekt, als dieser auf ein weiteres Loch stieß, welches auch mit Ziegelbrocken gefüllt war. Das ließ eine Architektur dahinter vermuten. Händische Grabungen führten schließlich zur Entdeckung eines Wehrganges mit in den Stein gehauenen Stufen, der in erstaunlich guter Verfassung war. Es handelt sich dabei um einen Verbindungsgang zwischen zwei Wehrplateaus. Der Felsgang wurde instandgesetzt, um ihn für Besucher zugänglich zu machen. Der Dürnitz wurde zudem mit einer Wendeltreppe samt Aussichtsplattform versehen.

Seit Frühjahr 2021 läuft die Sanierung der Wehrmauer des äußeren Zwingers. Wo bisher augenscheinlich nur eine ruinöse Außenmauer bis zum markanten Falkenturm verlief wird nun der ursprüngliche Zustand Anfang des 17. Jahrhundert klar ersichtlich werden. Die Wehrfunktion dieses Verteidigungsringes wird dadurch eindeutig erkennbar sein, beginnend mit dem äußeren Burgtor, dem Wehrgang, der Bastion und Streichwehr, dem Wachturm, der Zangenschartenmauer und der Batterie.
Ein Stück des Wehrganges des äußeren Zwingers wird, nun mit einer Metallkonstruktion, wiederhergestellt. Er wird über eine Zustiegstreppe erreicht und verläuft dann einige Meter entlang der Wehrmauer. Der perfekte Ausblick ins Tal verdeutlicht wozu er angelegt wurde, nämlich zur Beobachtung der Situation in der Klause, sowie der umliegenden Region.

Anschließend daran wird die um 1630 errichtete Zangenschartenmauer, die bis zum Falkenturm verläuft, wiederhergestellt. Die 36 Zangenscharten ermöglichten den Verteidigern, sowohl nach links als auch nach rechts zu schießen. Der Originalzustand soll rekonstruiert werden.

Als nachträglich an die Wehrmauer eine Bastion angebaut wurde, wandelte man teilweise die Zangenscharten zu Musketenscharten um. Derzeit wird diese Bastion, die wie ein Balkon über den Hang hinausragt, saniert. Die Arbeiter sind dazu mit Gurten gesichert. Nach Abschluss der Sanierung fungiert die Bastion wie eine Aussichtsplattform für die Besucher.

Auch der Wachturm der Wehrmauer wird wiederhergestellt und mit einem Dach versehen. Letzteres geschieht in Zusammenarbeit mit der Lehrwerkstatt der heimischen Firma Holzbau Saurer.

Mit Blickrichtung zum Falkenturm sieht man eine Kanonenstellung – die sogenannte Batterie – die um ca. 1630 angebaut wurde. Hinzu kamen sechs Kanonenscharten, welche zum gegenüberliegenden Fort Claudia zeigten. Auch diese werden wieder rekonstruiert.

Auch in der Kernburg wird fleißig saniert: ab dem Bereich des inneren Burgtores werden einige Stufen abgenommen, um das ursprünglich viel tiefer liegende Bodenniveau zu erreichen. Der dahinter liegende Innenhof war bisher mit Gras und Sträuchern zugewachsen, Mauern waren nur bruchstückhaft ersichtlich. Der Besucher konnte sich nicht vorstellen, wie der Burghof mit den ihn umgebenen Gebäuden ausgesehen hatte. Das ändert sich nun. Der Wildwuchs wurde bereits entfernt und im nächsten Schritt werden die hofseitigen Wände der Gebäude mit Fenstern und Türen im Südtrakt und im Osttrakt rekonstruiert. Somit wird die Dimension des Innenhofes um ca. 1630 begreifbar, in welchem eine Zisterne zum Sammeln von Regenwasser in den Felsen gehauen wurde.

Auch eine Innenhofmauer im Westtrakt wird wieder aufgemauert, da anhand der Mauerreste für den Fachmann gut erkennbar ist, wie sie ausgesehen hat: mit einer Brüstung, da einige Steine weiter aus der Mauer hervorspringen, ein Rücksprung mit schrägen Steinen diente zur Auflage des Gewölbebogens, dann folgte ein Holzboden, unten lag der Wirtschaftsraum, ab dem 1. Stock gab es dann Fensternischen von Wohnräumen. Dahinter lag möglicherweise das Kaiser Maximilian-Zimmer mit Stallung.

Die Zugbrücke am mittleren Burgtor wird ebenfalls rekonstruiert und nach Abschluss der Bauarbeiten installiert. Es handelt sich hier um eine klassische Zugbrücke mit großen Schwungbalkenschlitzen und einem Gegengewicht, so wie sie in der Klause bereits vorhanden ist.

Ihr seht also, die Arbeit geht auf Ehrenberg so schnell nicht aus und bei jedem Besuch gibt es etwas Neues zu entdecken.

Für alle, die gerne mehr erfahren möchten was sich aktuell so alles auf Ehrenberg tut bieten wir im „Gäste Aktiv Card Programm Sommer“ jeweils am Freitag um 16 h eine kostenlose Führung an – bitte am Vortag dafür unter der Telefonnummer +43 (0)5672 62007 anmelden!