Schon als Kind war es etwas Besonderes, bei der Fronleichnamsprozession mitgehen zu dürfen und an das Jahr nach der Erstkommunion kann ich mich heute noch erinnern. Im weißen Kleid mit einem Körbchen voll Blumen, die wir auf die Straße streuten, kamen wir Kinder uns sehr bedeutend und wichtig vor. Natürlich hat sich mein Blickwinkel verändert, trotzdem gehe ich Jahr für Jahr gerne bei der Prozession mit.

Was bedeutet eigentlich Fronleichnam?

Laut Wikipedia leitet sich die Bezeichnung Fronleichnam von mittelhochdeutsch „vrône lîcham“ für „des Herren Leib“ ab. Vielerorts wird der Gottesdienst im Freien, etwa auf öffentlichen Plätzen gefeiert, so auch bei uns am Kirchplatz vor der St. Anna Kirche in Reutte. Bei der anschließenden Prozession begleiten die Gläubigen die vom Priester getragene Monstranz mit dem Allerheiligsten in einem Festzug durch die Straßen. Die Monstranz wird dabei von einem „Himmel“ genannten Stoffbaldachin beschirmt. Ein Altar bei der Dekanatskirche Peter und Paul in Breitenwang und ein Altar auf den Stufen der Lindenapotheke in Reutte sind festlich mit Blumen geschmückt. Dort werden jeweils ein Abschnitt aus einem Evangelium vorgetragen, es werden Fürbitten gesprochen, die Schützen schießen die Ehrensalven ab und der Segen wird über die Gemeinden erteilt.

 

Seit über 30 Jahren bin ich mit dem St. Anna Chor und dem Breitenwanger Kirchenchor bei jeder Fronleichnamsprozession dabei. Schon um 8.00 Uhr treffen wir uns zum Einsingen. Dann gehen wir hinaus auf den Kirchplatz, wo uns ein buntes Bild erwartet. Direkt vor uns sind die Erstkommunionkinder, uns gegenüber nehmen die Schützen und die Kaiserjäger Aufstellung und rechts neben uns richtet die Musikkapelle ihre Instrumente und Noten her. In der Mitte befindet sich der festlich mit Blumen geschmückte Altar. Auf dem ganzen Platz sieht man die verschiedensten Fahnen, auch viele schöne Trachten sind zu sehen. Meistens spielt auch der Himmel mit und schickt uns sein strahlendes Blau als Hintergrund. Die Musikkapelle eröffnet mit dem Eingangslied und die feierliche Messe nimmt ihren Lauf. Dann formiert sich der Umzug, die Ministranten mit dem Kreuz gehen an der Spitze, dann folgen Vereine, Jungschar usw. Das ist besonders für uns Sängerinnen immer ein spannender Moment: Sind wir wohl alle an der richtigen Stelle, immer 4 Damen in einer Reihe, marschieren wir alle im Takt der Musik?? – Das ist gar nicht so einfach!

Ist das alles nur noch Tradition?

Während der ganzen Prozession wird abwechselnd gebetet oder die Musikkapelle spielt, viele Häuser sind mit Fahnen geschmückt und sorgsam gestaltete Hausaltäre begleiten unseren Weg. Das ist natürlich wunderbare, erhaltenswerte Tradition. Was absolut immer lebendig und gegenwärtig ist und nichts mit Tradition zu tun hat, ist das Gefühl der Heimatverbundenheit, das sich bei mir einstellt, wenn ich durch die festlich herausgeputzten Straßen gehe. Ganz unüblich langsam schreite ich dahin, ich habe Zeit, mir bewusst zu machen, wie gut es uns geht, wie schön wir leben. Mein Blick wandert über bunt gestaltete Schaufenster, Restaurants, gepflegte Gebäude und alte Bauernhöfe. Hier kenne ich jedes Haus, jeden Stein, fast alle Gesichter. Wenn unser Dekan dann in Breitenwang den Segen über den Ort und seine Bewohner spricht, weiß ich wer damit gemeint ist, meine Familie, meine Freunde und Bekannten. Von Herzen wünsche ich mir, dass wir alle unsere Leben bewusst und gesund leben können, dass uns Arbeit und Wohlstand erhalten bleiben und dass wir das auch zu schätzen wissen.