Voller Vorfreude mache ich mich auf den Weg nach Rieden. Ein kleiner Ort mit Charme. Dieser entsteht durch den idyllischen Dorfplatz mit Kapelle, Brunnen und dem Gasthof Kreuz mit dem einladenden Gastgarten unter einer großen alten Linde. Ich treffe mich mit Wirtin Barbara Saletz zu einem Gespräch:

Der Gasthof Kreuz ist wie der Name schon verrät ein Traditionsgasthaus. Welche Geschichte hat dieses Haus zu erzählen und war es immer schon ein Gasthaus?

Dieses Haus ist schon ca. 400 Jahre alt. Gebaut wurde es als Bauernhaus mit einer großen Landwirtschaft. Die heutige Küche war früher wohl der Stall, die Stube war aber immer schon für Hausgäste. Das ursprüngliche Bauernhaus liegt direkt an der Salzstraße und hat damals schon vielen Reisenden und Händlern als Unterkunft bzw. Gasthaus gedient. Es gibt Geschichten darüber, dass das Haus vor ca. 200 Jahren beim Kartenspielen verloren wurde. 1983 hat es meine Mutter von der Familie Hörbst gekauft und als Familienbetrieb geführt. Meine Mutter und mein Stiefvater haben den Betrieb 30 Jahre geführt und am 01.01.2011 haben mein Mann Heinz und ich diesen übernommen.

Der Gasthof Kreuz hat einen Hirschen als Logo, wie kommt es dazu?

Der Name Kreuz stammt noch von früher und kommt daher, dass das Haus an einer Straßenkreuzung der Salzstraße liegt. Wir haben uns dann natürlich Gedanken zu einem passenden Logo gemacht, nur ist das bei einer Kreuzung eher schwierig. Mit der Jagd haben wir uns allerdings immer schon verbunden gefühlt und es hat uns einmal ein Jagdherr (das waren früher schon treue Gäste die viel Geld gebracht haben) darauf angesprochen, wir sollten doch aus dem Gasthof ein Jagdhotel machen. Als wir dann ein Hirschgeweih geschenkt bekommen haben war für uns klar, was unser Logo werden soll, Jagdhotel wurde daraus aber keines.

Wer nach einem guten und ausgiebigen Abendessen nicht mehr aufbrechen möchte, kann sich im Gasthof Kreuz auch ein Zimmer buchen. In dem 400 Jahre alten Gebäude ist der Charme von damals noch gut erhalten geblieben. Welche Übernachtungsgäste sprechet ihr hauptsächlich an?

Wir haben Stammgäste, welche unser Haus bereits seit Jahren kennen, es kommen aber auch gerne Wanderer und Radfahrer zu uns die unsere relativ günstigen Zimmerpreise zu schätzen wissen. Das liegt vor allem daran, dass wir nur Etagendusche und WC anbieten können. Hier war die Überlegung natürlich da, als wir das Haus übernommen haben, dass dies ein Renovierungsprojekt wird. Das komplette Haus wurde aus Bruchsteinen aus dem Steinbruch beim Riedener See gebaut. Die Wasserleitungen wurden alle an der Hinterseite des Hauses installiert. Wir haben die Zimmer aber natürlich zur Vorderseite hin ausgerichtet. Der Einbau von Dusche und WC wäre von der Größe her zwar durchaus möglich, aber dann müssten wir das ursprüngliche Gemäuer komplett umreißen und das würde den Charme des Hauses völlig kaputt machen. So haben wir in den letzten Jahren in andere Projekte investiert, was vor uns noch niemand gemacht hat. Die Hinterseite des Hauses war noch nie verputzt, da ist schon der Efeu in die Mauern gewachsen. Also wird heuer verputzt, das Dach und die Heizung sind saniert, neue Böden verlegt und Fenster gesetzt, usw. Nur in der Stube haben wir alles so gelassen wie es früher war. Der Fußboden dort passt sogar zu den Fensterbälken. Die Möbel sind aus robustem Vollholz.

Barbara macht mit mir eine Hausführung und zeigt mir die Zimmer. Diese sind im liebevollen Landhausstil eingerichtet und mit von ihr selbstgemachten Pölsterchen dekoriert. Was mir sofort auffällt ist, dass alles sehr gepflegt und sauber ist, allen voran die Etagen-Badezimmer, da spiegelt und glänzt es. In einem der Zimmer sind sogar richtig urige Zirbenmöbel, welche nach wie vor wunderbar duften.

Für Übernachtungsgäste ist das „Tiroler Traumfrühstück“ inklusive. Auf welche Köstlichkeiten darf man sich hier freuen?

Wir bieten unseren Gästen eine Auswahl an Semmeln, Baguette, Wurzelbrot, verschiedenes Schwarzbrot und sogar Apfelstrudel. Weiters gibt es Wurst, Schinken, Speck, Käseaufschnitt und Frisch- und Weichkäse zum selbst runterschneiden. Es gibt verschiedene Müslisorten, Cornflakes, aufgeschnittenes Gemüse, Milch und Joghurt sowie Honig (von Bekannten selbstgemacht aus der Steiermark oder aus dem Lechtal). Bei uns gibt es außerdem Obst und Beeren (nach Saison) zum Frühstück, woraus wir außerdem selbergemachte Marmelade machen. Sonntag ist jetzt immer unser Tag zum Marmelade einkochen – diese ist der Hit am Frühstücksbuffet.

Die Wirtshauskultur wird bei euch sehr groß geschrieben – nicht umsonst habt ihr das Tiroler Wirtshaus-Gütesiegel erhalten. So gibt es auf der Speisekarte viele traditionelle Gerichte zu finden. Ihr legt vor allem viel Wert auf regionale Produkte. Wo kommen diese Produkte genau her und wer zaubert diese auf die Teller?

Ja, das stimmt. Wir sind sogar Gründungsmitglied der Tiroler Wirtshauskultur. Mir ist wichtig, dass so etwas erhalten bleibt, auch wenn es nicht immer einfach ist. Gerade in Hinblick auf die ganzen Vorschriften und Auflagen, welche man als Gastwirt bekommt. So wird es denke ich auch für uns schwer werden einen Nachfolger zu finden,  welcher den Betrieb übernimmt wenn mein Mann und ich in ein paar Jahren in Pension gehen. Nichtsdestotrotz sind wir mit Herz und Seele dabei, Mitglied bei „AMA Genussregion Tirol“ und „Da kommt’s her“. Uns ist es wichtig, dass wir wissen wo unser Fleisch seinen Ursprung hat. Wir sind gerade bei Verhandlungen, dass wir unser Schweinefleisch vom Tannheimer Tal bekommen. Die Fische kommen aus frischem Bachwasser vom Ernst in der Lähn. Das Kalbfleisch kommt vom Auhof in Ehenbichl – das ist sogar ein großer Laufstall in den man auch reinschauen kann. Die Kühe tragen ein Halsband mit dem erkannt wird, ob eine Kuh zum Beispiel schon das zweite Mal zur Futterstation kommt, dann gibt es kein Futter mehr. Anschließend können sich die Kühe vor die Fensterfront legen, welches wohl der beliebteste Platz im Stall ist ;-). Wir kaufen dann das ganze Tier, nicht nur die Filetstücke. Die Haut von unserem ersten Kalb dort haben wir gerben lassen. Aus dem Kalbskopf macht mein Mann und Küchenchef Heinz eine Spezialität. Dieser wird gekocht wie Sulze und das gibt’s dann als Spezialität entweder kalt, gebraten oder paniert. Auch die Nierele sind eine Spezialität unserer Küche. Wir haben sogar Stammgäste, die informiert werden, wenn es wieder solche Schmankerln gibt. Mit Filetstückchen kochen kann jeder, so etwas bekommt man dann doch nicht alle Tage. Bei uns gibt es auch keine Fertigsauce in der Küche, das wird alles selbst gemacht. Dazu werden noch ganz traditionell die Knochen ausgekocht, egal ob Kalb, Schwein oder Wildgericht.

Bei euch kann man auch (Familien-) Feste buchen. Wie läuft so etwas ab bzw. gibt es hierzu auch Menüvorschläge von euch?

Genau. Wir schauen da erst einmal wie viele Personen feiern möchten und wie wir das von den Räumlichkeiten her am besten einteilen. Dann gestalten wir natürlich einen Zeitplan (z.B. bei einer Hochzeitsfeier, wenn es Mittagessen gibt, die Leute dann ein Stück spazieren gehen möchten und gegebenenfalls am Nachmittag zurück kommen für Kaffee und Kuchen). Die Menükarte können wir ganz individuell und persönlich gestalten z.B. mit einem Foto vom Geburtstagskind oder Hochzeitspaar). Ich mag es auch immer gern, wenn die Leute vorher vorbeikommen, dann kann man sich in Ruhe zusammensetzen und die Menüvorschläge durchgehen, die Deko (Blumen, Kerzen, Farbe der Platzteller, etc.) besprechen und die passende Tischwäsche dazu aussuchen. Die ist übrigens ganz in unserem traditionellen Stil, teilweise sogar handbestickt.

Gibt’s das Fondue-Angebot das ganze Jahr über und was kommen da so für Spezialitäten in den Topf?

Ja genau, das Fondue können wir das ganze Jahr über machen, allerdings nur auf Vorbestellung. Wir machen das entweder in Suppe oder in Öl, ganz wie die Gäste es wünschen. In Öl machen wir das allerdings nur in der Stube wegen dem Geruch, damit alle anderen Gäste hier nicht „belästigt“ werden. Es gibt verschiedenes Fleisch, Fisch, Saucen (selbstverständlich auch hier selbstgemacht) und wenn gewünscht Garnelen.

Wie sieht es mit Unverträglichkeiten und Allergenen aus? Könnten die Gerichte auch gluten- und laktosefrei bestellt werden?

Das ist ein Thema, das wir hier sehr ernst nehmen. Hier bitte auf jeden Fall mit uns sprechen. Die Mitarbeiter sind informiert und auch das Küchenteam weiß Bescheid. Sowas muss Hand und Fuß haben, daher können wir zum Beispiel ein Schnitzel auch mit glutenfreien Bröseln panieren. Wir nehmen auch das Corona-Thema hier sehr ernst und halten uns an die aktuellen Regeln (auch wenn das heißt, dass mal jemand nochmal schnell heim fahren musste den Impfpass holen…). Wir wollen einfach nicht, dass bei uns jemand krank wird. Alle Mitarbeiter werden wöchentlich getestet. In der Zeit des Lockdown haben wir ein Tanz-Video gemacht um die Mitarbeiter bei Laune zu halten und auch für unsere treuen Kunden, die uns in dieser Zeit unterstützt haben und fleißig Essen „to-go“ bestellt haben.

Das zeigt sie mir dann auch gleich ganz stolz. Ich muss sagen ich bin von der Kreativität und dem Spaß den die Mitarbeiter ganz offensichtlich dabei haben, beeindruckt.  Gerade als ich beim Video anschauen bin, kommt die Kartoffel-Lieferung an. Das sind natürlich Österreichische, Sorte Anuschka – das Geheimrezept für die guten Gerichte mit Kartoffeln, weil diese einwandfreie Qualität schmeckt man einfach, erklärt mir Barbara grinsend. Gerade im Steirischen Kartoffelsalat, der ist der Renner.

Ihr seid ja auch im diesjährigen Bergherbst der Naturparkregion Reutte offizieller Kulinarikpartner und bietet ein spezielles Angebot in euren „Wilden Steirischen Wochen“. Auf welche Schmankerl darf man sich ab Mitte September freuen?

Allen voran natürlich unser Backhendl (für das wir auch bekannt sind), dann Klachlsuppe (von den Schweinefüßen), Kuttelsuppe, Blunzen, Steirerschnitzel, Surschnitzel, Polenta-Kürbisgemüse und selbstverständlich auch unseren Steirischen Erdäpfelsalat. Wie der Name schon sagt gibt es natürlich auch viele Gerichte rund um‘s Wildfleisch. Das war der Renner letztes Jahr im Herbst, da wir die Wildgerichte auch als Take-Away angeboten haben. Unsere Speisekarte richtet sich aber generell nach Saison und Regionalität. Das heißt bei uns gibt es im Winter zum Beispiel keinen Kopfsalat sondern z.B. Kraut, Kartoffel, Rote Rüben und Wintergemüse. Wir kaufen auch keine Pfifferlinge aus Bulgarien oder so, sondern warten bis sie bei uns auf der Raaz wachsen.

Begleitend zu all den Köstlichkeiten auf den Tellern kommt auch ein guter Tropfen ins Glas. Wie kommt es zu so einer umfangreichen Weinkarte?

Durch den Job in der Gastronomie musste das Familienleben oft leider etwas zurückstecken. Unsere Kinder waren daher schon sehr früh recht selbstständig und mussten auch oft im Betrieb mit anpacken, besonders Markus, dem es in die Wiege gelegt schien. Ein bis zwei mal habe ich ihn zu Veranstaltungen „mitgezarrt“. Irgendwann hat meine Leidenschaft für Wein auf ihn abgefärbt. Er hat jetzt den Weinakademiker gemacht und ist Wein-Sommelier mit seinem eigenen Shop Markus Saletz Lieblingsweine. Er kennt sich hier bestens aus und hat die Organisation unseres Weinkellers und somit auch der Weinkarte übernommen. Da haben wir einen Fachmann, auf den wir uns voll und ganz verlassen können und unser jüngster Bua Maximilian macht uns den „Zirbeler“-Schnaps.

Als Besonderheit eures Hauses sehe ich unter anderem den schönen Gastgarten. Ist das auch ein Grund für Gäste bei euch einzukehren bzw. ein Zimmer zu buchen?

Ja auf jeden Fall. Gerade im Sommer ist unser Gastgarten ein absolutes Highlight. Unter der Linde ist es im Sommer am Nachmittag angenehm kühl und ab Abend ist es bis ca. 20:30 / 21:00 Uhr noch sonnig und man kann den wunderbaren Ausblick ins Lechtal genießen. Unter der Linde summt und brummt es von den Bienen (die kommen aber nicht runter weil die haben oben im Baum viel das bessere Zeug). Ich sammle dann auch gerne die Blüten von unserem Baum. Die werden dann getrocknet und im Winter gibt es dann hausgemachten Lindenblütentee. Den schönsten Platz in unserem Gastgarten halte ich gerne frei, da immer wieder mal spontan treue Stammgäste (das sind hauptsächlich Einheimische bzw. Leute aus der Umgebung) vorbeikommen. Die sind uns sehr wichtig und deswegen schaue ich darauf, dass die auch immer noch einen Platz bekommen, auch in der Hochsaison. Und auch der Stammtisch am Freitag am Abend muss natürlich gepflegt werden.

(Ich fühle mich geehrt, unser Gespräch findet nämlich am Stammtisch statt 🙂

Wir freuen uns auch immer auf einen Besuch von Gastwirt-Kollegen und gehen selber auch gerne mal zu unseren „Nachbarn“ einkehren. Gerade bei unseren jungen Kollegen (das könnten teilweise unsere Kinder sein) stehen wir auch gerne mit Rat und Tat zur Seite und tauschen Ideen, Tipps und Expertise aus. Auch wenn mal jemand von den Kollegen Gäste hat für die kein Zimmer mehr frei ist, telefonieren wir uns untereinander zusammen um für die Leute noch ein Zimmer zu finden. An dieser Stelle auch noch ein Lob an mein Küchenteam, das diese wundervollen Kreationen auf die Teller zaubert und mein eingespieltes Serviceteam das diese zu den Gästen bringt. Mein Mann Heinz, Köchin Susi und Lehrling Laurens in der Küche ist der Wahnsinn und auf Christine und ihre Mädels (Töchter) kann ich mich immer verlassen. Sie regelt hier einfach alles und kennt unsere Stammgäste. Auch Jetty die schon zum Inventar gehört nicht zu vergessen. Ein Anruf und sie ist da und hilft an der Schank.

Ich kann dieses Lob von der Chefin hier bei meinem Besuch nur bestätigen. Ich sehe junge, motivierte Leute im Team, aus der Küche kommt ein schmackhaftes Gericht nach dem anderen – und das wichtigste: Ich sehe lauter glücklich und zufrieden aussehende Gäste mit vollen Bäuchen.

Danke Barbara, dass du dir die Zeit genommen hast für das Gespräch und mir einen tollen Einblick hinter die Kulissen gegeben hast was es heißt einen Gasthof zu führen in dem die Wirtshauskultur und Tradition wirklich gelebt wird.

Für alle die jetzt Hunger auf echte Tiroler Köstlichkeiten im dazu passenden urigen Ambiente haben: Den Gasthof Kreuz in Rieden kann ich hier nur empfehlen!

GASTHOF KREUZ

Barbara Saletz
Hausnr. 4
6671 Rieden
Mobil +43 664 1943838
Tel +43 5678 5202
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