Endlich scheint nach ein paar grauen, wolkenverhangenen Tagen wieder die Sonne vom blauen Himmel und lässt die buntgefärbten Bäume rot und golden aufleuchten. Da kann ich gar nicht anders – ich muss einfach raus aus dem Haus und nehme euch gerne auf einen schönen Herbstspaziergang mit.

Wandern als Kraftquelle

Ich fahre nach Lechaschau und lasse mein Auto am Parkplatz unterhalb des alten Langtennenliftes stehen. Gemütlich soll es heute sein, daher nehme ich keine Abkürzungen und keinen Steig sondern den breiten Fahrweg, der nach der Frauenseestube in einen Schotterweg übergeht. Geheimnisvoll und romantisch liegt der Frauensee vor mir, Sonnenstrahlen lassen die leichten Wellen glitzern. Ich bleib ein bisschen stehen und genieße die Wärme – wer weiß, ob es nicht für heuer das letzte Mal ist. Nun beginnt der Anstieg, in Kehren führt der Weg nach oben, immer wieder blitzt der Frauensee auf und der Blick weitet sich auf den Talkessel von Reutte, umrahmt von Wäldern in den schönsten Herbstfarben. Meine Gedanken beginnen zu wandern, jeder Schritt und jeder Atemzug wirkt befreiend, keine Spur mehr vom Alltagsstress. Ich kann so richtig loslassen, die frische Luft und die schöne Natur genießen und Kraft tanken. Das ist Erholung pur in der Naturparkregion Reutte.

Einkehren x 2

Der Weg zweigt jetzt nach links ab und nur noch ein kurzes Stück und ich bin bei der Costaries-Kapelle. Der Ausblick von hier oben auf Wängle, Lechaschau und Höfen ist einfach phänomenal, man kommt sich vor wie auf einem hohen Berggipfel. Ich betrete die Kapelle und denke mir, wie fast jedes Mal wenn ich hier bin, wie freundlich sie wirkt. Blau ist die Hauptfarbe, die bunten Glasfenster und das schöne schmiedeeiserne Gitter geben der Kapelle einen fröhlichen, offenen Charakter. Einer Informationstafel entnehme ich, dass der doch etwas außerfern-untypische Name daher kommt, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Gebiet oberhalb der Kapelle umfangreich Holz geschlagen und durch eine felsige Rinne – ein Ries – unter der Kapelle zu Tal befördert wurde. Die Holzer waren Italiener. Dabei fiel des Öfteren der Name „Costa“- daher der Name „Costaries“, also das Ries des Costa.

Vieles, was wir als selbstverständlich erachten, wird uns geschenkt und nach einem kurzen Dankgebet dafür beginne ich den Abstieg. Gemütlich, wie es heute sein soll, gehe ich den gleichen Weg zurück und freue mich schon die ganze Zeit auf einen Apfelstrudel mit Sahne und eine gute Tasse Kaffee in der Frauenseestube. Herrlich schmeckt das und ich sitze noch eine ganze Weile auf der Aussichtsterrasse in der Sonne, bevor mein schöner Herbstspaziergang endgültig zu Ende ist und ich nach dem letzten Teil der Wanderung ins Auto steige und heimfahre.