Tanz und Musik- seit jeher beliebtes Unterhaltungsprogramm für alle Altersgruppen. In der Naturparkregion Reutte habt ihr Gelegenheit, genau dieses Brauchtum den Sommer über wöchentlich bei Tiroler Abenden kennenzulernen. Veranstaltet werden diese von der Bürgermusikkapelle und der Brauchtums- und Trachtengruppe Höfen. Wir haben ein paar allgemeine Informationen recherchiert und für euch sogar einen exklusiven Blick hinter die Kulissen bekommen.

Volkstanz und Tracht

In ländlichen Traditionen schon lange bestehend, nahm die systematische Aufzeichnung und Weitergabe des regionalen Wissens ihren Ausgang im späten 19. Jahrhundert. Auch die dazugehörige traditionelle, regionale Gewandung – die Tracht – war darin ein wesentlicher Punkt. Mitte des 20. Jahrhunderts entstand dann die Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz. Seit 2011 ist die Volkstanzkultur in Österreich nationales immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Damit einher geht die Verpflichtung, dieses Erbe zu bewahren und weiterzutragen.

BTG aktive Gruppe

Die Brauchtums- und Trachtengruppe Höfen

In der Naturparkregion Reutte sorgt die Brauchtums- und Trachtengruppe Höfen seit 1981 für ebendiese Bewahrung des kulturellen Erbes. Bestehend aus über 100 Mitgliedern, davon rund 25 aktive Tänzer und eine Kinder- und Jugendgruppe, führt sie bei zahlreichen Anlässen traditionelle Volkstänze und Schuhplattler auf. Getragen wird dabei die Lechtaler Festtagstracht.
Im Juli und August sind die Frauen und Männer der Brauchtums- und Trachtengruppe zusammen mit der Bürgermusikkapelle Höfen jeden Dienstag um 20:00 Uhr in der Hahnenkammhalle Höfen beim Tiroler Abend zu sehen – eine Brauchtumsveranstaltung die ihr auf keinen Fall verpassen solltet.

Für spezielle Anlässe ist es außerdem möglich, in Absprache mit den Funktionären des Vereins ein individuelles Programm aus deren Repertoire zusammenzustellen und vorzuführen.

Brauchtums- und Trachtengruppe

Kontakt

Blick hinter die Kulissen

Wie kommt man eigentlich auf die Idee Volkstanz und Tracht zu leben? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern und wie kann man auch junge Leute dazu begeistern, traditionelle Tänze zu erlernen und weiterzutragen? Andreas Knapp, Obmann der BTG Höfen, hat mir dazu Rede und Antwort gestanden. Ich bedanke mich herzlich und freue mich, diese absoluten Insider-Informationen mit euch teilen zu dürfen.

Wann und warum hast du dich dazu entschlossen, der Brauchtumsgruppe beizutreten und, später dann, eine leitende Funktion zu übernehmen?

Am 29. September 2002 wurde ich im Alter von neun Jahren im Gasthof Lilie in Höfen offiziell bei der Trachtengruppe Höfen aufgenommen. Mich begeisterte das Schuplatteln und Tanzen schon sehr viel früher, als ich noch mit meinen Eltern im Publikum saß und zuschauen durfte. Später, als ich dann das entsprechende Alter erreicht hatte, war klar, dass ich in diesem Verein mitwirken möchte. Ein weiterer Grund ist sicher auch, dass meine Eltern früher aktive Tänzer im Verein waren und heute noch passive Mitglieder sind.
Im Alter von 14 Jahren durfte ich dann bei der aktiven Gruppe zu proben beginnen, was allerdings am Anfang sehr anstrengend und zeitaufwändig war. Da ich aber voller Begeisterung und Euphorie dabei war, machte es mir von Beginn an auch sehr viel Spaß. Zu diesem Zeitpunkt war mir außerdem klar, dass ich im Komitee der Trachtengruppe mitwirken und somit Teile meiner Freizeit in die zukünftige Entwicklung und den Fortbestand des Vereins investieren möchte. Ein Grund dafür ist sicherlich mein Vater, der als Gründungsobmann in der Trachtengruppe fungierte.
So wurde ich 2008 zum Zeugwart gewählt und war für das Equipment für die Tiroler Abende verantwortlich. Ein Jahr später durfte ich das Amt als Obmann-Stellvertreter für 4 Jahre ausführen. Seit 2013 bin ich mit großem Stolz Obmann der Brauchtums- und Trachtengruppe Höfen.

BTG Komitee

Welche Anforderungen werden an euch gestellt und welche Herausforderungen resultieren für euch daraus? Wie viel Zeit und Aufwand investiert ihr durchschnittlich, um für Auftritte jeglicher Art bestmöglich gerüstet zu sein?

In erster Linie ist unsere Aufgabe, das Brauchtum in unserem Ort zu pflegen und an unsere jüngsten Mitglieder weiterzugeben. So wirken wir bei zahlreichen kulturellen Veranstaltungen mit und sind selbst hauptverantwortlich für zahlreiche Events, wie Maifest, Erdäpfelfest und weitere saisonale Feierlichkeiten. Die Einnahmen dieser Veranstaltungen kommen der Anschaffung und Erhaltung unserer Trachten zugute.
Bei ca. 30 Ausrückungen im Jahr, zahlreichen Sitzungen, Prozessionen, sowie einigen Trachtenumzüge können wir unserem Hobby, dem Tanzen, nachgehen.
Unser Publikum bekommt Volkstänze sowie Schuplattler aus Tirol zu sehen. Bei einigen Tänzen, wie z.B. dem Sensentanz, Holzhacker oder Knappentanz, wird ihnen das Handwerk von früher näher gebracht.
Durchschnittlich haben wir 25 Proben im Jahr, um bei unseren Auftritten möglichst fehlerfrei im Rampenlicht zu stehen. Da sehr viele komplizierte Figuren, wie beim Tiroler Verbandsfigurentanz, Teil unseres Programmes sind, ist die Probenarbeit sehr wichtig und somit Pflicht für unsere Mitglieder.
Außerdem kann jeder sein Können bei den Leistungsabzeichen Prüfungen unter Beweis stellen, wo man über die einzelnen Tänze, die verschiedenen Trachten und das Brauchtum in Tirol bestens Bescheid wissen muss. Zusätzliche 20 Proben für den praktischen sowie sehr viele Stunden zuhause für den theoretischen Teil sind nötig, um das erste Leistungsabzeichen in Bronze zu absolvieren.
Zusammenfassend ist das Ganze natürlich nur möglich, wenn jeder mit viel Engagement und Einsatz dabei ist.

BTG Maitanz

Ihr betreut und fördert ja auch eine Kinder- und Jugendgruppe. Wie schafft ihr es, junge Menschen für das Thema Brauchtum und Volkstanz zu begeistern? Welche Voraussetzungen müssen für die Ausbildung anderer erfüllt sein?

Die Kinder- und Jugendgruppe ist natürlich unser größter Stolz. An unserer Spitze sind zwei sehr motivierte Frauen, die sich ständig fortbilden und sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um junge Menschen für unseren Verein und das Tanzen zu begeistern. Bereits im Kindergartenalter sind mittlerweile sehr begabte Tänzer in unserem Verein dabei. Wobei sich nicht immer nur alles ums Tanzen und Schuhplatteln drehen muss, sondern auch zwischendurch ein lustiges Spiel oder der ein oder andere tolle Ausflug natürlich nicht fehlen dürfen.
Aufnahme-Voraussetzungen gibt es in unserem Verein natürlich keine, das wichtigste ist, mit Freude dabei zu sein – alles andere kommt mit der Zeit von selber.
Es kann natürlich zu jeder Zeit bei unseren Proben reingeschnuppert werden. Bis zum ersten Auftritt ist allerdings ca. 1 Jahre harte Probenarbeit nötig.

Tiroler Abend Kinder

Abschließend bedanke ich mich herzlich bei der Brauchtums- und Trachtengruppe Höfen, allen voran Obmann Andreas Knapp, für die Zeit, die Bereitschaft zum Gespräch und die tollen Bilder, die ich für diesen Beitrag verwenden durfte. Auf einen erfolgreichen Sommer!

Veranstaltungs-Tipp: Anfang Oktober diesen Jahres wird unter dem Dach Bergherbst außerdem ein Erntedank-Umzug mit buntem Rahmenprogramm in der Naturparkregion Reutte stattfinden. Die Themen Landwirtschaft, Kultur, regionales Brauchtum und Tracht werden dabei im Fokus stehen.