Als ich noch klein war, besuchten wir jeden Samstag meine Oma in Füssen. Sie war eine herzliche, kleine Frau und liebte ihre Enkelkinder sehr. Und sie hatte für mich noch einen großen Pluspunkt – einen Fernseher, den es bei uns zuhause nicht gab. Zuerst saß die ganze Familie in der Küche, aber bald wurde mir das Gespräch der Erwachsenen einfach zu langweilig. Die konnten nicht mit Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise oder mit Daktari und Tarzan mithalten. Fernsehen war für mich einfach etwas Besonderes, die Serien äußerst spannend und außerdem hat es bei Oma immer Sprudel gegeben, also so etwas Ähnliches wie Fanta oder Sprite. Das Highlight war aber der Hefezopf, den Oma jede Woche extra für mich gebacken hat und den sie mir dick mit Butter bedeckt zum Fernsehgenuss dazu servierte. Die Samstagnachmittage in Füssen waren einfach immer toll.

Leider habe ich nie nach dem Rezept für den Zopf gefragt, ich war damals einfach noch zu jung, um mich für so etwas zu interessieren. Erst als ich selber eine Familie hatte, kam mir zu Ostern der gute Zopf meiner Oma wieder in den Sinn. Ich habe die verschiedensten Rezepte ausprobiert, bis ich mit etlichen individuellen Abwandlungen den Geschmack meiner Kindheitserinnerung wieder zustande gebracht habe. Gerne kommen jetzt meine Kinder zu mir und holen sich für ihre Familien einen Osterzopf mit einem bunt gefärbten Ei in der Mitte ab. Es hat sich eine richtige Tradition daraus entwickelt, denn neben meinen Kindern schenke ich den Zopf zu Ostern auch meinen Freundinnen, die sich jedes Jahr darüber freuen.

Rezept Osterzopf:

1 kg Weizenmehl
120 g Butter, weich
140 g Zucker
3 Teelöffel Salz
eine Handvoll Rosinen
40 g Hefe
3 dl Wasser und 3 dl lauwarme Milch
Mehl, Salz, Rosinen, Zucker und die in Stücke geschnittene Butter gut mischen. Die Hefe mit etwas Flüssigkeit anrühren und mit der restl. Flüssigkeit zum Mehl geben und den Teig unter Beigabe von etwas Mehl so lange kneten, bis er geschmeidig ist und nicht mehr klebt.

Zugedeckt um das Doppelte gehen lassen, mehrere kleine „Zopfnester“ formen und noch einmal kurz gehen lassen. Mit etwas Eigelb bestreichen und bei Heißluft 180 Grad ca. 30 Minuten backen. Nach dem Erkalten das bunte Ei in die Mitte geben.

Am Ostersonntag in der Früh richte ich dann einen schönen Korb mit dem Zopf, einem selbstgebackenen Osterlamm und vielen bunten Eiern zur Speisenweihe her und mache mich auf den Weg in die Kirche zur feierlichen Ostermesse. Der geweihte Osterzopf und das Lämmlein werden dann am Nachmittag angeschnitten, wenn die ganze Familie bei uns zum Kaffeetrinken zusammenkommt und so wird heuer zum ersten Mal mein Enkelkind den Zopf nach dem Rezept meiner Oma kosten können – ich freu mich schon darauf!

Rezept Osterzopf