Ich habe das Glück schon seit 34 Jahren zuerst im St. Anna Chor und nun im Projektchor unter der Leitung von Prof. Franz Walcher mitsingen zu dürfen. Der Projektchor und das Orchester des Museumsvereines Reutte setzen sich zum Ziel, weitgehend vergessenes musikalisches Kulturgut, insbesondere Werke heimischer Komponisten der Bevölkerung nahe zu bringen. Alle diese Werke sind Raritäten, weil sie nicht mehr aufgeführt wurden, bis Prof. Franz Walcher sie wieder aus der Versenkung geholt hat.

Folgende Messen haben wir mit dem Projektchor und Orchester mit Unterstützung des Museumsvereins Reutte bereits in verschiedenen Kirchen im Außerfern aufgeführt:

2012/2013 – Missa Solemnis von Pater Peter Singer aus Häselgehr (1810 – 1882)

2014 – Pastoralmesse Alois Bauer aus Reutte (1794 – 1872)

2016 – Missa Solemnis et Brevis von Franz Bühler (1760 -1823),in schwäbischer Komponist, dessen Noten auf einem Dachboden in Grän gefunden wurden

2018 – Festmesse op 7 von Karl Koch aus Biberwier (1887 – 1971), Ehrenbürger von Tannheim und Biberwier

Die Festmesse von Karl Koch haben wir am 15. April 2018 in Biberwier und Tannheim aufgeführt. Am 29. April, also diesen Sonntag, ist sie dann um 10.15 Uhr in St. Anna in Reutte noch einmal zu hören.

Prof. Franz Walcher ist über die Grenzen der Naturparkregion hinaus bekannt als begeisterter Musiker, engagierter Dirigent und natürlich vor allem als Gründer der Landesmusikschule Reutte. Friederike Schmid schrieb im „Reuttener Jänner 2018“: Spannende Zeiten bei den Probearbeiten im Projektchor von Professor Franz Walcher fesseln mich immer wieder. Wenn nach langer Zeit aus einem vorerst unmöglich erscheinenden Etwas dann eine wiederentdeckte alte Messe aufgeführt werden kann, wundern sich alle und man spürt, dass sich der Einsatz gelohnt hat. So geht es wohl allen Mitwirkenden an diesen Projekten.

Die Messe von Karl Koch war ganz in Vergessenheit geraten, weil sie ein besonders anspruchsvolles Werk ist und einem Laienchor wie uns sehr viel abverlangt. Dementsprechend anstrengend waren die Proben, dennoch war die Atmosphäre immer entspannt und lustig. Einer meiner Chorkollegen meinte dann bei einer besonders schwierigen Stelle mit vielen Vorzeichen: „..das sind ja keine Noten mehr, das ist ein Kreuzworträtsel 🙂 “.

Wie viel Zeit, Arbeit und Organisation mit so einer Aufführung einhergeht, weiß nur Franz Walcher und natürlich seine Frau Herta, die ihrem Franz immer zur Seite steht. 

Lieber Franz, kannst du uns kurz schildern, welche Komponisten du wie und wo gefunden hast?

Auf die Noten von Pater Peter Singer stieß ich schon bei einer Ausstellung des Museumsvereins 1980 – „Musikschaffen im Außerfern“. 2012 gab es dann eine Ausstellung „Von Tuten und Blasen (k)eine Ahnung“ und in diesem Zusammenhang bat mich der Obmann des Museumsvereines Ernst Hornstein, auch musikalisch einen Akzent zu setzen, was mit der Missa Solemnis von Pater Peter Singer nach Überarbeitung wunderbar möglich war.

Die Noten von Franz Bühler fand ein Chormitglied auf ihrem Dachboden in Grän und brachte sie mir. Das sind Abschriften von Noten, die es sonst nirgends mehr gibt. Ich habe sie dann durchgeschaut und druckfertig gemacht, um eine Aufführung erst zu ermöglichen.

Im Heimatmuseum Reutte fand ich eine Partitur von Franz Bauer, die mich sehr ansprach, daraufhin habe ich nachgeforscht, und siehe da – 2007 wurden diese Noten neu gedruckt und einer musikalischen Umsetzung stand nichts mehr im Wege.

Die Festmesse von Karl Koch war nicht einmal mehr im Dom zu St. Jakob in Innsbruck zu finden, wo Koch jahrzehntelang als Chordirektor tätig war, aber über wirkliche große Umwege um den halben Globus bin ich zu den Noten dieser anspruchsvollen Komposition gekommen. 

Was motiviert dich, so viel Arbeit und Mühe und Organisation auf dich zu nehmen?

Wie oben schon erwähnt, ist es einfach interessant, Raritäten, die völlig unbekannt sind und noch dazu aus unserem Bezirk stammen, wieder zum Leben zu erwecken. Die Begeisterung der Mitwirkenden, diese Literatur neu zu interpretieren, motiviert mich unwahrscheinlich. Außerdem habe ich ein Leben lang für die Musik gelebt, diese Liebe zur Musik kann man nicht einfach ablegen!

Musizieren ist eine Bereicherung des Lebens, nicht nur für die Zuhörer sondern besonders auch für die Sänger und Musikanten, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen und so möchte ich das Motto von Franz als Schlusssatz zitieren: „Nicht nur die Anzahl der gekauften Veranstaltungen macht die Kultur einer Region aus, sondern die vielen positiven und qualitätvollen Aktivitäten der Bevölkerung selbst.“