Die Reuttener Seilbahnen sind ein beliebtes Ski- und Wandergebiet für Einheimische wie auch für Gäste in der Naturparkregion Reutte. Doch was passiert eigentlich alles im Hintergrund eines Seilbahnbetriebes? Auf was muss man besonders achten und was sind die größten Herausforderungen? Ich habe mich darüber mal schlau gemacht und ein Interview mit zwei Mitarbeitern der Reuttener Seilbahnen durchgeführt.

Wie sieht euer Arbeitsalltag aus? Welche Aufgaben sind als Seilbahnmitarbeiter zu erfüllen?

„Unser Arbeitstag beginnt früh am Morgen mit einer Lagebesprechung für alle an diesem Tag anwesenden Mitarbeiter. Dort werden aktuelle Ereignisse und die an diesem Tag zu erfüllenden Aufgaben vom Betriebsleiter an die Mannschaft verteilt. Anschließend wird bei jeder Anlage eine Kontrollfahrt durchgeführt, um etwaige Störungen frühzeitig zu erkennen, sowie sicherzustellen, dass alle betriebsrelevanten Teile reibungslos funktionieren. Die Stationen und die Fahrbetriebsmittel, welche Winter wie Sommer teils extremen Bedingungen ausgesetzt sind, gilt es wenn nötig von Schnee und Eis zu befreien, um die Sicherheit aller Fahrgäste zu gewährleisten. Nicht nur die Bahnen und Lifte, auch die Pisten werden stets genauestens kontrolliert, damit der reibungslose und unfallfreie Betrieb gewährleistet ist. Sobald alles für in Ordnung und sicher befunden wird, können die Tore geöffnet werden. Einem wunderschönen Schitag bzw. Wandertag steht dann nichts mehr im Wege. Während unserer Betriebszeiten ist uneingeschränkte Wachsamkeit oberstes Gebot, um jegliche Schäden an Mensch und Maschine zu vermeiden.“

Was muss alles getan werden, damit eine Seilbahn überhaupt aufsperren kann?

Neben den schon genannten Kontrollen gibt es auch etwaige andere Faktoren, die die Entscheidung, das Gebiet zu öffnen oder auch zu schließen, beeinflussen. Jeden Tag wird die Wettervorhersage aufs Neue genauestens studiert und die tatsächliche Lage im Gebiet beobachtet. Anhand von diesen Daten wird anschließend entschieden, ob ein sicherer Betrieb gewährleistet werden kann. Doch nicht nur Wind und Wetter, auch die Lawinensituation ist oft ausschlaggebend. Dafür ist bei sich ändernden Wetterverhältnissen stets eine sogenannte Lawinenkommission im Einsatz. Diese begutachtet den Aufbau der Schneedecke und ordnet, wenn nötig, das Sprengen einiger Hänge an um ein Hineinrutschen einer Lawine in den gesicherten Pistenbereich zu verhindern. Die endgültige Entscheidung, ob eine Bahn in Betrieb genommen wird oder nicht, obliegt immer dem diensthabenden Betriebsleiter (im Winter in Absprache mit der Lawinenkommission).

Wieso macht die Seilbahn eine Revision zwischen der Sommer- und Wintersaison?

Eine Seilbahn ist eine hoch-komplexe Anlage, welche Tag für Tag, Woche für Woche und Saison für Saison viel Zuwendung braucht. In der Zeit zwischen Winter und Sommer werden alle Bestandteile, wie die Laufrollen der Stützen oder das Seil, auf Schäden bzw. Abnützung kontrolliert. Zudem sind alle beweglichen Teile, wie Lager und Gelenke, akustisch wie auch visuell zu begutachten und wenn nötig zu tauschen. Die Schmierung stellt ebenfalls einen wichtigen Punkt der Revision dar, denn gut geschmiert hält am längsten. Neben der Grundreinigung der Fahrbetriebsmittel werden auch alle Klemmen genauestens laut eines Revisionsplans gewartet. Damit die Wintersportler Tag für Tag auf perfekt präparierten Pisten ihre Spuren ziehen können werden die Pistenmaschinen, welche unter extremsten Beanspruchungen ihren Dienst leisten, in den Sommermonaten überholt. Auch die Beschneiungsanlage, die in der heutigen Zeit von unsicherer Schneelage am Anfang des Winters nicht mehr wegzudenken wäre, bedarf eines großen Wartungsaufwandes, der sich über das gesamte Jahr zieht.

Welche Aufgabe stellt für euch die größte Herausforderung dar?

Zu den größten Hindernissen, welche es zu bewältigen gilt, zählen in erster Linie die Einflüsse der Natur. Denn egal ob Schnee, Regen oder extreme Kälte, alle Arbeiten müssen erledigt werden. Speziell bei der Präparierung der Pisten werden die Fahrer jeden Tag mit ständig veränderten Schneeverhältnissen konfrontiert. Doch auch den Mitarbeitern im Bahnbetrieb wird bei großen Neuschneemengen alles abverlangt. Vor allem wenn es darum geht die Bahnen und Lifte vor Betriebsbeginn von den Schnee- und Eismassen zu befreien und alles zum Laufen zu bringen.

Wie viele Mitarbeiter sind täglich bei den Reuttener Seilbahnen beschäftigt. Sommer und Winter?

Im Winter besteht unser Team aus 23 Leuten und im Sommer sind 11 Personen bei den Reuttener Seilbahnen beschäftigt.

Quote Talstation: 1.528 m
Quote Bergstation: 1.884 m
Geneigte Länge: 1.105 m
Höhenunterschied: 356 m
Fahrzeit: 3,7 min
Betriebsgeschwindigkeit: 5,0 m/s
Förderleistung: 2000 p/h

Höhe Talstation: 919 m
Höhe Bergstation: 1.730 m
Geneigte Länge: 2.559 m
Höhenunterschied: 811 m
Fahrzeit: 7‘7‘‘ min/sec
Betriebsgeschwindigkeit 6 m/s
Förderleistung 2000 p/h

Die Mitarbeiter der Reuttener Seilbahnen geben täglich alles, damit wir Wintersportler einen perfekten Skitag erleben.

Bitte beachtet daher auch die Vorschriften und bleibt auf den gesicherten Pisten, besonders bei erhöhter Lawinengefahr. Auch Skitourengeher sollten dienstags den Tourenabend nutzen, um auf den Hahnenkamm zu gehen, an einem anderen Wochentag ist es wegen der Präparierung der Pisten nach Betriebsende zu gefährlich. Besonders untertags sollten die Tourengeher auch seitlich der Piste gehen und dabei gut auf Skifahrer und Snowboarder achten.

Es ist wirklich sehr spannend, was im Hintergrund alles funktionieren muss, damit eine Seilbahn aufsperren kann und reibungslos funktioniert. Ein großes Lob daher an das gesamte Team der Reuttener Seilbahnen.

Ich bedanke mich für die Beantwortung der Fragen und wünsche euch eine gute Winter- und Sommersaison 2019.