Heute treffe ich mich mit André Schütter in seinem Geschäft Streetstyle im Reuttener Untermarkt. Dort gibt es neben den großen Streetwear Marken wie DC Shoes, Ragwear, Iriedaily, Volcom, Dickies und Fox Racing auch seine Eigenmarke sucks Clothing.

Wie kam es zu sucks Clothing?

Los ging alles in meiner Grafikagentur imago – werbegrafik & eventmanagement an einem nicht ganz so tollen Tag im Herbst 2016. Mein Kollege & damals Angestellter Luka und ich waren beide etwas gereizt. Auf seine Frage hin mit womit er sich denn beschäftigen soll, habe ich nur genervt geantwortet: „Sudel halt irgendwas“. Gesagt, getan. Er wollte „Schütti sucks“ schreiben (also zum Ausdruck bringen, dass ich ihn tierisch nerve). Nur, dass „Schütti“ dann einfach keinen Platz mehr auf dem Papier hatte, also hat er mir nur einen Zettel mit „sucks“ rübergeworfen. Zur „Strafe“ (im lustigen Sinne) habe ich gesagt, dass ich das auf einen Hoodie drucken lasse und er damit herumlaufen muss. Die Stimmung hat sich dann bis abends wieder beruhigt und mir ist aufgefallen, dass der Schriftzug mit dem Smiley ja ganz cool aussieht, also habe ich nicht nur einen, sondern gleich zwei Hoodies bestellt. Zur Versöhnung haben wir ihn auch gleich beide angezogen (das Gelächter war groß 🙂 ) und sind nach der Arbeit noch auf ein Feierabendbier ins Novellis gegangen.

Dort wurden wir prompt angesprochen wo wir denn die coolen Hoodies herhaben, sie wollen auch welche. Also habe ich nachbestellt. Das gab großen Wind im Kollegenkreis. So kam die Idee auf Caps dazu zu bestellen. Am Anfang habe ich die Sachen noch hergeschenkt, bzw. zum Freundschaftspreis verkauft, bis ich kapiert habe: da passiert etwas. Das ist cool. So ist dann die erste kleine „Kollektion“ mit anderen Pullis und T-Shirts entstanden.

Bei einem Gespräch mit der damaligen Besitzerin des Reuttener Marktcafés kam es zur Idee diese sucks Kollektion quasi als Gag bei einer Modenschau zu präsentieren. Also habe ich einen Kollegen aus Innsbruck, der als Moderator arbeitet, motiviert nach Reutte zu kommen und meine Freunde in die neue „sucks-Kollektion“ gesteckt. Dieses Event kam sehr gut an und gab auch nochmal neuen Aufwind. Es erschien sogar ein Artikel in der TT: „Reuttener ist Modemacher aus dem Nichts“. Kurz darauf meldete sich auch die Onlineplattform „Tirol TV“ für ein Interview an. Freunde und Bekannte haben fleißig bei mir eingekauft. Im April 2017 startete ich schließlich dann mit dem Onlineshop für sucks Clothing.

(C) Mathias Starzer

(C) Mathias Starzer

Wie kam es zu dem Schritt ein „Offline-Geschäft“ zu eröffnen?

Durch die größere Vermarktung haben mich mehr und mehr Leute gefragt wo sie die Sachen denn probieren könnten und dann Hemmungen hatten, das in einem Grafikbüro zu tun. Ein Geschäft zu eröffnen nur mit sucks Clothing alleine war für mich dann doch zu risikoreich, weil wer sucht nach einer Marke, die noch keiner kennt? Eine Freundin hatte dann die Idee ich solle mir doch einfach ein paar andere coole Marken dazu nehmen. Da ich mich in dieser Branche überhaupt nicht auskannte, sie jedoch schon, war die „Bedingung“ dafür, dass sie bei mir im Shop arbeitet. Durch den Wettbewerb „Lech Funding Contest“ konnten wir als eines der Siegerprojekte Henrik Wentzler zur Unterstützung gewinnen und eine geeignete Location finden. Am 06.04.2018 war es dann soweit und der Shop Streetstyle wurde eröffnet. Unser Ziel in naher Zukunft ist es, neben dem Offline-Store „Sport Lentsch“ am Hochzeiger in Pitztal auch noch weitere Shops & Partner zu finden, die sucks in ihr Sortiment aufnehmen.

Der Plan die Marke sucks größer zu machen ist dank treuer Stammkunden gut aufgegangen und mittlerweile tragen auch diverse Promis meine Marke. Bekannte Namen sind u.a.: Hermann Maier (Schifahrer), Thomas Müller und Manuel Neuer (FC Bayern), Flo Rieder (FC Swarovski Wattens), Luca Hänni (DSDS), Darius & Finlay (DJ), James Cottriall (Sänger), Wincent Weiß (Sänger) und Pietro Lombardi (Sänger). Auch Lissy Reiterer von den Trucker Babes trägt in der Sendung auf Kabel 1 oft Bekleidung von Sucks und Virginia Ernst drehte ihr neues Musikvideo mit der einer in Kooperation mit Virginia entwickelten Sonderkollektion von sucks. Wir unterstützen & sponsern aber auch heimische Talente aus Reutte & Tirol wir z.B. Tristan Walch (Motorrad Talent), diverse Fußballmannschaften aus dem Bezirk (u.a. Hauptsponsor der JAMA Fußballakademie Außerfern), Daniel Kopeinik (Kunstturner Österreichisches Nationalteam & Guinness-Weltrekordhalter im Russenflanken) oder auch Marcus Kastner mit seinem Kastner Motorsport-Team.

Wo werden die Bekleidungsstücke produziert bzw. entwirfst du die selber? Und wie kommt das Logo drauf?

Ich nähe die Sachen nicht selber, dafür habe ich Händler und Partner in Österreich, Deutschland & Slowenien. Die schicken mir Entwürfe, ich suche aus was mir gefällt. Das Design entwerfe ich dann aber selber bzw. manchmal auch mit Unterstützung von einem guten Freund, Luggi, der in Florenz Grafik studiert. Dieses Design wird dann wiederum in Slowenien auf Druckfolien produziert. Per Thermopresse, die bei mir im Keller steht, kommt die Druckfolie dann auf das Bekleidungsstück. Bei der aktuellen Kollektion haben auch zwei „Newcomer-Hobby-Designer“ aus Reutte ihre Ideen zu Papier gebracht, die es dann auch wirklich in die Kollektion und somit in den Verkauf geschafft haben. Da schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe – wir bekommen neue & coole Designs und die Jungs sind stolz darauf, ein Teil von sucks zu sein. Die Caps werden bestickt, das kann ich selber nicht machen, schaue aber darauf, dass die Aufträge so gut es geht an heimische Unternehmen gehen. Accessoires wie Ohrringe, Halsketten und Trickboards entstehen in Zusammenarbeit mit dem Werkhaus, das quasi gleich schräg gegenüber von uns beheimatet ist. Da ist auch schon ein neues gemeinsames Projekt am Laufen: „sucks“ Flesh Tunnel.

Wie jung/junggeblieben ist eure Zielgruppe durchschnittlich?

sucks kann jeder tragen, von 0 bis 99 Jahren 🙂 Es kommen durchaus auch ältere Kunden in den Shop, hauptsächlich aber Leute zwischen 6 und 30 Jahren.

Eine Kinderkollektion war ursprünglich gar nicht geplant. Bei der Shop Eröffnung kamen die Jungs von einer befreundeten Familie die gesagt haben sie wollen auch einen „Schütti-Hoodie“. Also habe ich eine kleine Kinderkollektion entworfen. Diese läuft bombastisch und wird daher auch immer größer. Ca. 85% der Kinder die in den Shop kommen wollen nur sucks-Klamotten. Eine andere Marke kommt gar nicht in Frage.

Ein sehr bewegender Moment für mich war, als eine Mami mit ihrem Buben in den Laden kam und gesagt hat sie will sich bedanken. Ihr Kind war immer eher der „Außenseiter“. Seit er sucks trägt, hat er Freunde gefunden und wurde sogar in den sucks-Club (da kommt man in dem Alter nur rein, wenn man sucks-Klamotten trägt) aufgenommen. Das hat ihn viel selbstbewusster gemacht. 🙂

(C) Mathias Starzer

Im Onlineshop sieht man im Hintergrund durchaus bekannte Plätze. Hast du hauptsächlich regionale Shootingplätze und wer sind deine Models für sucks Clothing?

Mit meinem „Hauptmodel“ Dani und dem Fotografen Mathias, mit denen ich eigentlich immer zusammenarbeite, wenn ein neues Shooting (bis zu ca. 10 Shootings im Schnitt pro Jahr) ansteht. Da sind wir als Team schon sehr gut zusammengewachsen. Ansonsten suche ich mir fotogene Freiwillige, also Freunde, Bekannte, und Freunde von Bekannten. So kommt selten ein Model zweimal dran und für mich ist das eine super Bekanntmachung von sucks wenn die Models dann selber auf Facebook, Instagram und Co Bilder von ihrem eigenen Shooting posten. Das kommt super an, wenn die Leute Bilder sehen und sagen: „Boa, den/diejenige kenn ich ja“ Dieses Mal habe ich unter anderem auch Models aus Innsbruck, um den Markt auch dort ein bisschen anzukurbeln und sucks Clothing bekannt zu machen.

(C) Mathias Starzer

Du hast im Lockdown Virtual Shopping angeboten. Wie hast du das mit Click/Call & Collect gemacht? Wie weit hast du geliefert?

Ich habe auf Anfrage Videos und Fotos gemacht oder die Leute haben mir einfach geschrieben was sie gern hätten bzw. gibt’s sucks Clothing ja auch im Onlineshop. Ausgeliefert habe ich im Bezirk selber bzw. für weiter weg dann eben LechLog beauftragt. Das war ein enormer Aufwand aber macht man ja gerne 😉

Wie kam die T-Shirt Aktion im Juni 2020 für das Rote Kreuz zustande und ist sowas mal wieder geplant?

Zuerst kam die Panik beim ersten Lockdown mit der Frage wie stemmt man sowas? Das Geschäft musste geschlossen bleiben und dann kam die Langeweile. Für andere (gerade in Sozialeinrichtungen und im Gesundheitsbereich) war an Langeweile jedoch gar nicht zu denken. So kam mir der Gedanke diese zu unterstützen. Also habe ich mich daran gemacht das „Corona sucks“ Thema auf ein T-Shirt zu bringen. Ich glaube der Hauptgrund warum die Leute das T-Shirt schlussendlich gekauft haben war, dass ich pro T-Shirt € 5 an das Rote Kreuz Reutte gespendet habe. Mittlerweile hat eh jeder die Schnauze voll von diesem Thema und keiner will mehr was davon wissen.

Diesen sozialen Gedanken werde ich auch weiterverfolgen und habe zu Weihnachten die Einzelstücke und „B-Ware“ an die Caritas gegeben, die wiederum die Sachen an Reuttener verteilt haben die sich diese coolen Klamotten sonst nicht leisten könnten.

(C) Mathias Starzer

Das Thema Nachhaltigkeit ist bei eurer Zielgruppe vielleicht nicht das Hauptthema. Habt ihr trotzdem nachhaltige Kleidung bzw. Bio-Baumwollprodukte oder Ähnliches?

Bei sucks Clothing ist das teilweise schwierig, ich schau aber schon darauf, dass wo es geht die Sachen nachhaltig produziert werden und Bio Baumwolle verwendet wird, bei gewissen Teilen geht das aber leider noch nicht. Ich habe aber durchaus Streetwear Marken hier die vegan produziert werden wie zum Beispiel Ragwear und Iriedaily. Manchmal kommen Leute die dann fragen: „Wie vegan? Kann man die Klamotten etwa essen?“. Aber vegan bedeutet in diesem Fall der bewusste Verzicht auf tierische Bestandteile und der respektvolle Umgang mit der Natur und den Menschen, die die Waren herstellen. Ein großes Nachhaltigkeitsthema ist auch die Waschung von Jeans, wo sehr viel Wasser gespart werden kann, wenn man darauf achtet. Die Nachfrage ist jedenfalls auch bei Streetwear da (vor allem bei den Damen ist Ragwear recht beliebt) und werde ich Step by Step daran arbeiten und bin daher auch schon auf Papiertaschen umgestiegen.

Wie weit geht die sucks-Mode über die Grenzen des Außerferns hinaus?

Hauptsächlich im deutschsprachigen Raum, bis zur Nordsee aber auch Italien kommt immer mehr. Je nachdem welcher Promi gerade sucks trägt, kommen vermehrt Anfragen von dieser Gegend. Wenn Virginia Ernst ein neues Video rausbringt, kommen zum Beispiel vermehrt Anfragen aus Wien. Da laufen dann auch die Sonderlinie I AM mit dem etwas ausgefallenen Schnitt sehr gut. Die Außerferner bevorzugen dann doch eher herkömmliche Schnitte.

Ich bedanke mich für das lockere Gespräch und die tollen Bilder. Ich kann Streetstyle wirklich allen empfehlen die coole Klamotten (made in Reutte) shoppen wollen:

Streetstyle

Untermarkt 11
A-6600 Reutte
Tel. +43 5672 64896
info@imago-design.at

Öffnungszeiten:

Montag – Freitag:
09.00 – 13.00 Uhr und 14.00 – 18.00 Uhr

Samstag:
09.00-13.00 Uhr