Mein erster Blog und ich bin schon ganz aufgeregt.
Ich hab mir ein paar Gedanken gemacht worüber ich schreiben möchte bzw. was für euch interessant sein könnte. Da dachte ich mir: „Was würde es besser treffen als einen zeitlich passenden und vergessenen Brauch wieder etwas in Erinnerung zu rufen.

Dazu möchte ich euch nach Musau entführen.
Eine kleine Ortschaft mit knapp 400 Einwohnern zwischen Pflach und Vils.

Nebenbei: Wusstet ihr, dass sich im Gemeindegebiet von Musau zwei Vorläufer der Burg Ehrenberg, eine Schanze bei Roßschläg die andere am Lech, die so genannte Lechschanze befanden?
Also ich wusste das nicht! 🙂

In der kleinen Ortschaft werden Bräuche noch ganz groß geschrieben, und sehr gepflegt. Das Scheibenschlagen, Hexenverbrennen und der Funkensonntag ziehen jährlich im Februar nach Musau ein.
Der „Bareigang“ in Musau ist jedoch einzigartig und darüber möchte ich euch gerne ein wenig mehr verraten. Dafür habe ich mich an den Bürgermeister von Musau Sieghard Wachter gewandt und auch an die Ortschronistin Gertrud Horndacher, die mir halfen meine offenen Fragen zu beantworten.

Den Bareigang, der vermutlich aus dem Allgäu kommt, kennt man nur in Musau. Darum verstehe ich natürlich, wenn sich jetzt einige von euch denken „Von diesem Brauch habe ich noch nie was gehört“. Genau so ging es mir nämlich bis vor 2 Jahren auch!

Am Nachmittag des Rosenmontags gehen Burschen zwischen 6 und 15 Jahren von Haus zu Haus, um in Musau mit dem Bareigang die finsteren Mächte, Perchten und Bareien auszutreiben – so glaubten es zumindest die Vorfahren.

An diesem Tag können die Burschen in der Schule mit dem Direktor reden, ob sie früher nachhause gehen dürfen, damit sie sich für den Bareigang vorbereiten können. Es werden an diesem Tag auch keine Hausaufgaben aufgegeben. Aus diesem Grund wird auch erst um 14:00 Uhr losgegangen, damit die Schulpflicht nicht vernachlässigt wird.

Auch die Mamas der Kinder sind hier gefragt. Sie fertigen für die Bareibuben die spitze Kopfbedeckung an. Die bunten Hüte als auch die Säbel und Bockshörner, die mitgeführt werden, könnten möglicherweise eine Anlehnung an frühere Soldaten sein, erzählt man sich. Leider ist es unklar warum die Hüte bunt sind, aber ich würde vermuten, damit niemand Angst bekommt, hat man angefangen mit bunten Fransen die Hüte zu verschönern. Aber dafür gibt es leider keine Überlieferungen.

In der Bareigruppe gibt es dann noch eine weitere Besonderheit: Es gibt einen Hauptmann und einen Zugführer, diese Position wird von Kindern im letzten Schuljahr besetzt.
Der Hauptmann und der Zugführer tragen meist wirkliche Säbel bei sich.

Der Zugführer geht voran beim Betreten des Hauses. Dann wird sich im Halbkreis aufgestellt und die Kinder schreien ihren Spruch heraus:

„Früh abends (so in Obermusau, in Mittelmusau nur noch „abends“ und zum Schluss in Untermusau „Spät abends“) kommen wir in ein Haus und bitten um Bareien aus.“

Die Buben haben dann ihr Geldsäckchen schon gezückt und die Hausherren geben den Kindern eine Kleinigkeit. Früher bekamen sie irgendwelche Naturalien später etwas Süßes – dies hat sich natürlich im Laufe der Jahre etwas geändert, heute wird hauptsächlich Geld verteilt (durchschnittlich einen Euro).
Zugführer und Hauptmann bekommen immer mehr als die andern, da sie in dieser Position das letzte Mal einen Bareigang mitgehen.
Schnell und stolz lassen die Buben ihre Geldsäckle dann wieder in der Hosentasche verschwinden, dann kommandiert der Hauptmann:

„Habt acht!“, „Rechts um!“, „Im Gleichschritt marsch!“
Beim Abmarsch ist der Hauptmann dann voran und es wird ein zweiter Spruch geschrien, so laut es geht:

„Hinaus in die Ferne mit sieba Fäßle Bier, drei hamm`mer gsoffa, jetzt hamm`mer bloß no vier!“ Jeder sagt noch zweimal „Vergelt`s Gott, z´tausendmal!“

Leider konnte ich keinen Sinn hinter dem Spruch erkennen und auch bei meinen Recherchen konnte ich keine genauere Bedeutung finden.

 

Nach dem Bareigang ist es in Musau üblich, dass die Bareibuben für das darauffolgende Hex´ verbrennen am Sonntag Vorbereitungen treffen. Früher mussten die Burschen noch, mit einem Leiterwagen ausgestattet, von Haus zu Haus ziehen, um Brennholz für den Funkensonntag zu sammeln (in Untermusau ist das sogar bis heute noch so). Und hier beende ich auch meinen ersten Blog und behalte mir das Hex verbrennen als ein weiteres Thema im Kopf, das ich euch gerne ein anderes Mal etwas näher bringen möchte! Ich hoffe, euch hat es gefallen und ich konnte euch diesen einzigartigen Brauch etwas erklären!