VILS ist seit 1327 Stadt und mit 1500 Einwohnern somit die zweitkleinste Stadt in Tirol und die einzige im Außerfern. Die meisten Städte mögen Vils an Einwohnerzahl, Bekanntheit und städtischem Aussehen übertreffen, aber die besondere Eigenart der Geschichte dieser Stadt findet keine Parallele in Tirol. Die Geschichte der Stadt Vils ist nicht nur für Historiker interessant, sie bietet nämlich einige Besonderheiten.

Stadtherren und ihre Macht

Das Gebiet von Vils wurde im 5. Jh. n. Chr. von den Alemannen oder Schwaben besiedelt. Heute noch hat die Vilser Mundart schwäbisches Gepräge. Im 13. Jh. erhielten die Herren von Hohenegg (schwäbisches Adelsgeschlecht) die „Herrschaft Vils“. Den Stadtherren standen besondere, teils einträgliche Rechte zu:
– das Zoll- und Geleitrecht – auf der Strecke von Heiterwang bis Nesselwang
– der Forst- und Wildbann – Recht für die Stadtherren zur Jagd und Fischerei
– die Hohe Gerichtsbarkeit – Recht über Leben und Tod zu richten
– das Freiungs- oder Asylrecht – dieses galt für die ganze Stadt

Der Galgenberg

Am Galgenberg wurde damals die Gerichtsbarkeit durch Erhängen ausgeübt. Heute ist es ein harmloser Hügel, der den Kindern als Rodelstrecke dient.

Das Asylkreuz

Dieses Asylrecht war einzigartig in Tirol. Der Asylsuchende konnte hier ein Jahr und einen Tag Zuflucht finden. Das Asyl galt aber nur für „redliche Totschläger“, das waren Personen, die in Notwehr oder im Affekt gehandelt hatten. Eine weitere Besonderheit war, dass einer, der von der Freiung Gebrauch gemacht hat, „drey Schritt vor das Thor thuet, er wieder Jar und Tag wie zuvor Freyung hat“. Der Asylsuchende musste das steinerne Asylkreuz, das sich am Stadtplatz befindet, berühren.

Dankesgabe

Im Chorbogen der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt hängt ein sehr schönes, lebensgroßes Kruzifix. Gemäß der Volksüberlieferung geht diese Arbeit auf die Erfüllung eines Gelöbnisses des Bildhauers für seine geglückte Flucht aus dem Füssener Gefängnis in das Asyl gewährende Vils zurück.

Zugehörigkeiten

Vils war eine Patrimonialstadt, das heißt, die Einwohner waren Leibeigene. Die Stadtherrschaft wurde nicht von weltlichen oder geistlichen Landesherren ausgeübt, sondern vom Adelsgeschlecht der Hohenegger. Nach dem Tod des letzten Hoheneggers (1671) kam Vils zu Österreich, nicht aber zu Tirol. Nach dem verlorenen Krieg gegen Napoleon musste Österreich 1805 Tirol seine schwäbischen Besitzungen und auch Vils an Bayern abtreten. Erst im Jahr 1816 kam die Stadt Vils durch Beschluss beim Wiener Kongress wieder zu Österreich. Im selben Jahr erfolgte die Vereinigung mit Tirol.

In Vils gibt es einige Sehenswürdigkeiten, die ich euch einmal in einem weitern Blog näherbringen darf.
Ich bedanke mich recht herzlich beim Stadtchronisten Dirr Paul und seiner Frau Susanne für die Unterstützung und Fotos.