Das Museum im Grünen Haus in Reutte ist nun barrierefrei!
Ein Lift ermöglicht allen Interessierten den Besuch des sehenswerten Hauses

Der Reuttener Untermarkt beeindruckt durch seine prächtigen Bürgerhäuser. Das „Museum im Grünen Haus“ gehört zu den schönsten Gebäuden unseres Marktes. Es wurde im 16. Jahrhundert vermutlich von einem wohlhabenden Reuttener Bürger als Wohnhaus für sich und seine große Familie gebaut. Aus dieser Zeit stammen auch die wunderschönen Malereien im Inneren des Hauses. Der Reuttener Maler Johann Jakob Zeiller gestaltete im Jahr 1779 die Fassade des Gebäudes. Das kräftige Grün gibt dem Haus seinen Namen.
Das Museum bekam bereits drei Mal den Tiroler Museumspreis zuerkannt und trägt auch das Österreichische Museumsgütesiegel.

Erfolgreiche Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und fixen Mitarbeitern

Das historische Gebäude ist im Besitz der Marktgemeinde Reutte. Das darin befindliche Museum wird seit 15 Jahren vom Museumsverein des Bezirkes Reutte geführt. Ein Vorstand aus ehrenamtlichen Mitgliedern leitet das Museum und entscheidet dabei u.a., welche Objekte gesammelt und welche Ausstellungen gezeigt werden, organisiert Führungen, Vorträge und Veranstaltungen und gibt Publikationen heraus, z.B. das Jahrbuch „Extra Verren“. Um das umfangreichen Aufgabengebiet erfüllen zu können, beschäftigt der Verein einen Museumsleiter – Mag. Ulrich Kössler ist Archäologe und passionierter Hobbyhandwerker, was den Ausstellungen immer wieder zugutekommt – und drei vielseitige Mitarbeiter/innen zur Besucherbetreuung und für die Erledigung umfangreicher administrativer und organisatorischer Aufgaben. Unterstützt wird die Museumsarbeit auch von Freiwilligen, die in der Arbeitsgruppe tätig sind. Diese trifft sich wöchentlich für je zwei Stunden und packt tatkräftig mit an.

Ohne Lift war bisher vieles nicht möglich

Das Museum wird gerne von Einheimischen und Gästen besucht, da nicht nur die sehenswerte Dauerausstellung präsentiert wird, sondern auch zusätzlich wechselnde Sommer- und Winterausstellungen gezeigt werden. Leider was es bisher Menschen mit körperlichen Einschränkungen nur erschwert oder gar nicht möglich das Museum, das sich über zwei Stockwerke erstreckte, zu besuchen.

Auch bei den täglichen Arbeiten im Haus fehlte der Lift – so mussten schwere und sperrige Ausstellungsstücke genauso wie Stühle für Vorträge und Veranstaltungen stets über die gewundene Treppe transportiert werden. Bei einer Bildhauer-Schau wurden große Heiligenstatuen gezeigt, die sehr schwer waren und mühevoll von mehreren Personen gemeinsam in den 1. Stock getragen werden mussten, eine wahrlich schweißtreibende und anstrengende Angelegenheit. Die daran tatkräftig beteiligten Vorstandsmitglieder meinten danach augenzwinkernd, dass bis zum Lifteinbau nur noch Gemäldeausstellungen geplant würden 🙂

Ein Lift muss her!

Ein Lift war daher der langjährige Wunsch des Museumsvereins. Die Planung gestaltete sich dann schwieriger und langwieriger als angenommen. Zuerst musste ein geeigneter Standort gefunden werden – keine ganz einfache Aufgabe in einem denkmalgeschützten Haus. Man entschied sich schließlich dafür, den Lift im Inneren des Gebäudes im Zentrum der Treppe zu platzieren. Mit dem Lifteinbau alleine ist es aber nicht getan. Damit verbunden sind unbedingt erforderliche Adaptierungsarbeiten, um einen barrierefreien Zugang zum Haus und innerhalb des Gebäudes zu ermöglichen. Neben dem Einbau der eigentlichen Liftkabine gehören dazu auch eine neue Pflasterung des Vorplatzes, eine Zugangsrampe und der Einbau eines Behinderten-WCs. Der Lift wird nun bis in den 3. Stock führen, der bisher als Depot genutzt wurde. Dafür sind auch eine Verlängerung der Stiege und ein neues Dach erforderlich.
Das 3. Obergeschoß kann nach dem Umbau auch als Ausstellungsfläche dienen, wie Ernst Hornstein, Obmann des Museumsvereines, berichtet. „Wir haben uns entschieden, das Stockwerk wieder in die öffentlich zugänglichen Flächen des Museums zu integrieren“, erzählt er. Zwar gingen dadurch die Depotflächen verloren, „aber wir gewinnen 150 Quadratmeter zusätzliche Museumsfläche und die Möglichkeit, einen größeren Vortragsraum zu schaffen. Bislang konnten wir ja nur maximal 50 Personen unterbringen, alle anderen mussten abgewiesen werden – das ändert sich nun zum Glück.“

Die Finanzierung war ein Kraftakt

Mehrfach musste der Lifteinbau verschoben werden. Immer und immer wieder wurden die Pläne überarbeitet, Varianten diskutiert und die Kosten geprüft. Das Ergebnis war jedoch immer dasselbe: ca. 500.000 Euro muss die Gemeinde aufwenden, um einen behindertengerechten Zugang zu den Ausstellungsflächen zu realisieren und alle Adaptierungen durchzuführen.

Das Museum im Grünen Haus ist nun barrierefrei!

Der Umbau begann im September 2020 und damit eine spannende Zeit für das gesamte Museumsteam. Zuerst wurde eine Staubschleuse gelegt, um die Museumsräume bestmöglich zu schützen. Dann wurde der Liftschacht ausgehoben und betoniert, das Treppenhaus um ein Stockwerk verlängert und das Dach angehoben. Das Behinderten-WC wurde eingebaut und ein neues Stiegengeländer angebracht, sowie final die Liftkabine eingebaut. Zuletzt wurde der Vorplatz umgestaltet und eine Zugangsrampe angebracht. Auch im 3. Stock wurden bereits Vorarbeiten geleistet.

Noch sind letzte Feinarbeiten im Gange – das Museum wird wenn alles fertig ist in Kürze wiedereröffnet. Das Haus präsentiert sich dann endlich barrierefrei und ist somit für alle Interessierten zugänglich 🙂
Gezeigt wird auch gleich eine neue Ausstellung mit dem Titel „Handwerkszeug“. Aus dem reichhaltigen Fundus des Museums werden längst vergessene Berufe und ihre Werkzeuge vorgestellt – das Museumsteam freut sich auf Euren Besuch!!!!